Kubitschek freut sich öffentlich. Ob er es wirklich tut, ist nicht ganz klar. Wir haben ihn eher als aggressiv-launisch kennengelernt. Aber öffentlich preist er sich selbst an, weil Harald Martenstein, der offensichtlich von seinen eigenen rassistischen Altherrenfantasien gequält wird, das Buch „Heerlager der Heiligen“ (Jean Raspail) aus dem „Antaois Verlag“ mit völkischem Furor empfiehlt. Kubitschek selbst hält es für einen Geniestreich und sieht sich schon als Sprenger der Brandmauer.
Dass es eine Katastrophe ist, wenn der Springer-Verlag (Martenstein veröffentlicht in der WELT) jemanden von „Eroberungsmigration“ schreiben und einen faschistischen Verlag empfehlen lässt, ist sicherlich korrekt. Es ist eine Katastrophe für die offene Gesellschaft, wenn einer der größten deutschen Verlage und ein internationaler Medienkonzern beschließt, dass es völlig in Ordnung ist, einen Verlag, der Neonazis, völkischen Rassist*innen und Rechtsterrorist*innen eine Bühne gibt bzw. daraus seine Autor*innen rekrutiert, zu empfehlen.
Es ist allerdings nicht die Leistung derjenigen, die außerhalb des renommierten Medienbetriebs stehen und versuchen, die Brandmauer mit ihren Hasstiraden zu zerstören. Es ist stattdessen die zweifelhafte Leistungen derjenigen, deren Krisenempfinden als bürgerliche Individuen sie dazu bringt, auf die faschistische Karte zu setzen. Leute wie Martenstein sehen Migration, Gleichstellung und politisch Andersdenkende und suchen sich genau die Bündnispartner*innen, die mit größter Gewalt dagegen vorgehen wollen. Das ist der „Verlag Antaios“, der auf den Zerfall jeglichen Rests des demokratischen Verständnisses angewiesen ist.
Und so reiht sich das deutsche Bürgertum in den Rechtsruck ein, freut sich auf die Machtübernahme der AfD und sucht den aktiven Schulterschluss mit Faschist*innen, die Europa nicht nur in eine noch brutalere Festung verwandeln wollen, sondern die Demokratie an sich als Wurzel des „liberalen Tumors“ zerstören wollen.
Es zeigt sich also nicht, dass antifaschistische Politik nichts bringt und dass die Brandmauer falsch wäre. Es zeigt sich vielmehr, dass es umso mehr auf diejenigen ankommt, die immer noch nicht bereit sind, den völkischen Vormarsch zu akzeptieren. Dazu gehört, dass die Offenheit bürgerlicher Medienhäuser für antidemokratische und faschistische Positionen benannt und bekämpft werden muss.
Die nächste Gelegenheit, dafür Kräfte zu sammeln, findet sich am 5. September in Halle bei der Antifa-Demo von La Colere und anderen!
