Schnellroda & die AfD

Dass die Strukturen rund um Kubitschek im Wesentlichen von der AfD bzw. deren Parlamentsbudgets bezahlt werden, wird allein mit Blick auf den früheren IfS-Direktor (und jetzt Chef der Nachfolgerfirma) Erik Lehnert deutlich, der sein Geld als „Grundsatzreferent“ bei der Landtagsfraktion in Brandenburg verdient.

Der Landtag von Brandenburg zahlt also dafür, dass Lehnert weiterhin dieselben Einführungsvorträge bei den Akademien hält, wie er es seit 20 Jahren tut. Auch der „Star-Autor“ Benedikt Kaiser (Politisierung: Nationale Sozialisten Chemnitz) finanziert sich nicht durch seine Bücher, sondern durch die Arbeit beim Bundestagsabgeordneten René Springer.

Auch bei dem kommenden Sommerfest des Verlag Antaios zieht sich der Fokus auf die AfD durch. Neben einem Podium für offen antisemitische YouTube-Shitposter, die inzwischen zum festen Autoren- und Kundenstamm von Kubitschek gehören, gibt es sonst vor allem Formate, die sich rund um die faschistischen Machteroberungspläne drehen und von AfD-Prominenz besetzt werden.

Zu nennen ist hier etwa der Burschenschafter Torben Braga aus Thüringen, der die Antaios-Ausgründung „Jungeuropa-Verlag“ unterstützt, bei dessen letzten Treffen auch NSU-Unterstützer zugegen gewesen sind. Er hat Karriere in Höckes AfD-Landesverband gemacht, posiert mit Symbolen der faschistischen Bewegung und will im Sinne seines völkischen Engagements, dass die AfD die Macht in Thüringen übernimmt.

Dass man dafür jede demokratische Erinnerungskultur in die Tonne schmeißen muss, darüber diskutieren Stefan Scheil und Dominik Kaufner. Scheil ist AfD-Lokalpolitiker und bei den Veranstaltungen in Schnellroda zuständig für Geschichtsrevisionismus. Ganz in der Tradition neonazistischer Organisationen möchte er die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg nivellieren, sinniert über die Verantwortung der anderen und kämpft gegen eine vermeintliche Dämonisierung des mörderischen deutschen Faschismus. Kaufner ist ebenfalls völkischer Burschenschafter und AfD-Landtagsabgeordneter in Brandenburg, der immer wieder durch offensive Verherrlichung deutscher Gewaltgeschichte auffällt. Er gehört als „Alter Herr“ der „Berliner Burschenschaft Gothia“ schon seit Jahren faschistischen Strukturen an und wird mit Scheil zum wiederholten Male um die „richtige“ Schwerpunktsetzung beim Geschichtsrevisionismus „diskutieren“ – eine Kontroverse ist das aber natürlich nicht.

Absurderweise werden der Chef der Generation Deutschland Jean-Pascal Hohm und der deutsche IB-Chef Maximilian Märkl unter dem Titel „Arbeitsteilung!“ über das Verhältnis von AfD und faschistischem Vorfeld sprechen. Das ist dahingehend absurd, dass auch Märkl AfD-Mitglied war und dann pro forma ausgetreten ist, als das bekannt wurde. Damit sollte formal der Unvereinbarkeitsbeschluss mit faschistischen Gruppen erfüllt werden, was im Endeffekt aber nur ein Theater für wenigen Beobachter*innen darstellt, die am Ende glauben, irgendwelche Abgrenzungsbehauptungen der AfD wären mehr Wert als das Papier, was dafür genutzt wird.

Sie bezeichnen die Zusammenarbeit zwischen Faschist*innen innerhalb und außerhalb der Partei als „Arbeitsteilung“, wissen aber, dass faktisch gar nichts geteilt wird. Es gibt eine gemeinsame völkische Ideologie und ein gemeinsames Vorgehen und jede Person, Behörde oder jedes Medium, was hier an eine inhaltliche Trennung glaubt, beteiligt sich an der versuchten Immunisierung völkischer Putschist*innen.

Auch die Besetzung anderer Podien ist bekannt und AfD-lastig: So wird Ellen Kositza mit Susanne Dagen, Initiatorin der faschistischen Buchmesse in Halle/Saale und Mitglied der AfD-Fraktion im Stadtrat von Dresden, sprechen und Martin Sellner wird wie bei nahezu jeder Veranstaltung in Schnellroda seine rassistischen Remigrationsfantasien als großen Coup der extremen Rechten verkaufen. Auch er ist trotz aller vermeintlicher Distanzierungen regelmäßig Ehrengast bei AfD-Politiker*innen – so wurde er z.B. in den Thüringer Landtag eingeladen.

Wenn er auf dem Podium mit Manfred Kleine-Hartlage diskutiert, ist das für ihn auch ein Weg zu seinen Ursprüngen: Während Sellner seine politische Karriere beim Holocaust-Leugner Gottfried Küssel und mit dem Anbringen von Hakenkreuz an Synagogen begonnen hat, setzt sich Kleine-Hartlage mit großem Engagement dafür ein, dass die Leugnung des Holocausts endlich nicht mehr zu bestrafen wäre und dass die „unaufhörliche deutschfeindliche Propaganda“ des Zentralrats der Juden ihr Ende finde. 

Schnellroda zeigt also, was noch alles in der AfD gedacht wird und dass es zwischen der Partei und den Vordenker*innen des völkischen Mobs keinerlei Differenz gibt. Es zeigt aber auch, was die extreme Rechte von einer AfD an der Macht erwartet. Es geht neben (und damit auf das Engste zusammenhängend) übelsten rassistischen Gewaltaktionen auch um die Revision von 1945, um eine deutsch-faschistische Traditionslinie, die ganz bewusst auf den Bruch verzichtet, den die „Neue Rechte“ aus Marketing-Gründen immer mal wieder behauptet hat.

Das Programm des faschistischen Sommerfestes ist also einmal mehr ein Grund, deutlich zu machen, dass die völkischen Strukturen in Schnellroda zerschlagen werden müssen!

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