In der Nähe von Altenburg fand am 2. Mai ein faschistisches Treffen des „Jungeuropa-Verlags“ (JV) statt. Der Verlag ist praktisch eine Ausgründung aus dem Umfeld der um Schnellroda gruppierten „Neuen Rechten“ (1). Etliche Autoren des JV schreiben auch für den „Verlag Antaios“ von Götz Kubitschek, sind auf zahlreichen anderen extrem rechten Plattformen vertreten und arbeiten für die AfD bzw. pflegen engste Kontakte mit AfD-Spitzenpolitiker*innen.
Das sehen wir auch bei den Referenten, die im Programm angekündigt wurden. Volker Zierke, den wir in unserem letzten Text behandelt haben (2), und Benedikt Kaiser („Nationalen Sozialisten Chemnitz“) sollten dort die Intellektuellen markieren, wobei Kaiser letztlich ein von der AfD bezahlter Dauerschreiber ist, der eine inhaltliche Tiefe suggerieren soll, welche bei nährerer Betrachtung seiner Texte aber nicht mehr zu finden ist. Kaiser ist natürlich langjähriger Antaios-Autor.
Auch angekündigt wurde Philip Stein, was vor dem Hintergrund albern ist, dass Stein den Verlag gegründet hat und selbst Multifunktionär in der „Neuen Rechten“ ist. Er war Pressesprecher der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), deren weitere Faschisierung er betrieben hat, außerdem Funktionär der „Identitären Bewegung“ (IB) und Leiter von „Ein Prozent für unser Land“, wo er u.a. Geld für rassistische Leuchtturmprojekte der Faschist*innen sammeln wollte (3). Im Zuge seiner ständigen Funktionsübernahmen wurde er dann auch zum JV-Gründer, zu dem einige Antaios-Autoren geschickt wurden, um sich noch einmal jung und unverbraucht zu geben.
Andere Schnellroda-Funktionäre haben vielleicht keinen eigenen Verlag, aber dafür wenigstens eine eigene Zeitschrift bekommen: So versucht Jonas Schick mit seinem Projekt „Die Kehre“ sich an einer völkischen Ökologie, die fehlende Faktenorientierung mit Esoterik wettzumachen sucht, um an das heiße Thema – also die Realität der Klimakatastrophe und die rechte Leugnung dieser – nicht rangehen zu müssen.
Für die deutsche Vergangenheit ist bei dem Treffen wohl der AfD-Politiker Stefan Scheil zuständig, der wenig überraschend ebenfalls ein Dauerabo für Schnellroda hat. Bei ihm geht es darum, dass das Deutsche Reich 1939 den Vernichtungskrieg gar nicht wirklich gewollt habe und eigentlich ja auch die Überfallenen Schuld tragen würden. Diese klassische Geschichtslüge macht Scheil zu einer wichtigen Person – zumindest in der Szene des rechtsradikalen Geschichtsrevisionismus.
Auch Dušan Dostanić ist ein häufiger Gast in Schnellroda und als Faschist aus Serbien europaweit gut vernetzt. Wir haben uns bereits im August 2018 mit ihm beschäftigt, wobei sich seitdem nichts geändert hat. Damals besuchte er die Sommerakademie des Institut für Staatspolitik und es war von Folgendem auszugehen: „Identitäres Geschwurbel, beständige Vernetzung, Sympathie für die reaktionärsten Zustände und eine Lust auf die Wiederholung des historischen Faschismus: Es gibt also wenig Neues bei dieser Akademie.“ (4)
Der Referent Jörg Bernig hat mindestens sechs Bücher beim Antaios-Verlag veröffentlicht und schreibt für die Schnellroda-Zeitschrift „Sezession“. Außerdem wird er von der „Edition Buchhaus Loschwitz“ verlegt. Der Verlag gehört Susanne Dagen (war laut Berichten selbst dort), die u.a. mit Kubitschek und Co. die faschistischen „Buchmesse“ in Halle (Saale) organisiert (5). Beim JV wird sich vorgestellt, dass er zur neuen extrem rechten Literatur gehören würde, weshalb er zum Thema „Rechte Autoren und die literarische Welt“ befragt wurde.
Als weiterer angekündigter Teilnehmer ist der AfD-Politiker Zacharias Schalley (MdL in NRW) zu nennen, der bis jetzt eher unauffällig geblieben ist, allerdings aufgrund seiner extrem rechten Einstellung schon gerichtlich bescheinigt bekommen hat, dass er nicht zuverlässig genug ist, eine Schusswaffe zu besitzen. Er gehört zu den Kreisen der „Neuen Rechten“ vor allem, weil er Burschenschafter ist und als solcher Teil der faschistischen DB, die große Teile des AfD-„Vorfelds“ stellt (6). Er saß mit dem bereits erwähnten Jonas Schick auf einem Podium mit dem Titel „Technologie, Fortschritt, Konkurrenz: Wie viel Ökologie können wir uns leisten?“. Außerdem war dort Johannes Konstantin Poensgen vertreten, der ebenfalls zu den Stammgäst*innen in Schnellroda gehört und seit 2016 regelmäßig für die „Sezession“ schreibt (7).
Zuletzt ist noch Jens Winter zu nennen, der einen Erik-Ahrens-Speedrun durchzuführen scheint. Das heißt konkret, dass er – wie Ahrens – für kurze Zeit in der linken Szene aktiv war, sich hier als besonders kritisch inszenierte, um dann über einige Zwischenstationen bei offenem Faschismus anzukommen. Während Ahrens schon wieder ganz woanders ist (und selbst von sich sagt, ausgestiegen zu sein), ist Winter gerade einer der Hetzer von Nius. Den „liberal-konservativen“ Anstrich hat er allerdings schon längst abgelegt, statt um Freiheit oder „irgendwas gegen Woke-Links“ geht es Winter nur noch um das „eigene Volk“, welches z.B. im Zweiten Weltkrieg schrecklich gelitten habe. Wörtlich wirft Winter einem anderen Rechten, der die Bombardierung Dresdens unter Berücksichtigung der deutschen antisemitischen Massenverbrechen nicht besonders betonen will, vor: „Es sind Leute gestorben, Ben, unsere eigenen. Keine Soldaten. Frauen, Kinder. Dass es Leute gibt, die nur über die Opfer schreiben, liegt 80 Jahre später in erster Linie an Leuten wie dir, die nur über Täter sprechen und keine Empathie für ihr Volk besitzen.“ (Quelle: X) Stand jetzt erscheint Winters Buch noch im XS-Verlag, der sich auf Marx, Adorno und Horkheimer beruft, aber bis jetzt nicht verdächtig war, beim Dresdner „Gedenken“ mitzumarschieren.
Diese Empathie für das „eigene Volk“ konnte Winter in der Nähe von Altenburg am 2. Mai ausleben. Mit zahlreichen AfD-Politiker*innen wie mutmaßlich dem antisemitischen Burschenschafter Dominik Kaufner (8) und den üblichen Stars der „Neuen Rechten“. Die Thüringer Abgeordnete Katharina König-Preuss spricht zurecht davon, dass „circa 200 Neonazis und Vertreter extrem rechter, darunter auch militanter Strukturen“ zusammengekommen seien. Es sei „besonders alarmierend, dass an diesem bundesweiten Vernetzungstreffen nicht nur militante Neonazi-Strukturen, Unterstützer des NSU-Kerntrios und Akteure gewaltbereiter extrem rechter Netzwerke“ teilgenommen hatten, sondern ebenso „AfD-Abgeordnete und Mitarbeitende (…). Wenn sich Vertreter militanter Neonazi-Netzwerke und Abgeordnete der AfD gemeinsam treffen, darf dies keine beiläufige Randnotiz sein.“ (9) Dem ist zuzustimmen – und damit ist auch alles über die Akteur*innen gesagt, die mit keine klare Kante zeigen, wenn diese faschistische Vernetzung auftritt.
Die nächste Gelegenheit, um den gemütlichen Auftritt dieser Leute zu versauen, findet sich übrigens am 11. Juli in Schnellroda, wo der Verlag Antaios zum Sommerfest einlädt.
Verweise:
(1) https://ifsdichtmachen.noblogs.org/post/2019/03/15/zu-den-rechtsextremen-verlagen-bei-der-werkstatt-europa-16-03-2019-hallesaale/
(2) https://ifsdichtmachen.noblogs.org/post/2026/04/07/die-lieblinge-des-feuilletons/
(3) https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/rechtsextremismus-rechtspopulismus/alter-rassismus-in-neuem-gewand-die-neue-rechte/
(4) https://www.facebook.com/315928578893376/photos/du%C5%A1an-dostani%C4%87-einer-der-redner-der-sommerakademiewie-bereits-in-unserem-aufruf-/464651930687706/?_rdr
(5)
https://www.belltower.news/seitenwechsel-in-halle-blau-braune-buechermesse-an-der-saale-162953/
(6)
https://lotta-magazin.de/ausgabe/99/von-kriegern-waldgangern-und-todgeweihten-mannern/
(7)
https://www.endstation-rechts.de/news/neurechte-winterakademie-der-ostdeutschen-provinz
(8)
https://de.wikipedia.org/wiki/Dominik_Kaufner
(9)
https://www.die-linke-thl.de/aktuelles/startseite/detail/news/bundesweites-neonazistisches-vern
