AfD, Sezession und die Frage nach der Kriegsschuld

Wir möchten uns anlässlich der kommenden Sezessionsausgabe [1] mit einem der dort vertretenen Autoren Stefan Scheil beschäftigen. Der AfD-Politiker und studierte Historiker publiziert seit etwa 2002 im Umkreis der sog. „Neuen Rechten“. Durch seine Schriften zieht sich der Versuch die Kriegsschuld Deutschlands und so auch die mit dieser verbundenen Shoa zu relativieren. Scheil ist Anhänger der sogenannten Präventionskriegsthese. Kern dieser ist die Behauptung, dass Deutschland in den Zweiten Weltkrieg getrieben wurde. Grundlegende Gedanken lassen sich kurz anhand dreier im Antaios-Verlag erschienener Hefte skizzieren. In „Polen 1939“ führt er aus, dass es sich endlich nicht um einen deutschen Angriffskrieg gehandelt habe, sondern Deutschland und Hitler nur auf die „Aggressivität der Polen“ reagierten. Das reaktive Verhalten Deutschlands im Zweiten Weltkrieg möchte Scheil schließlich auch in „Präventivkrieg Barbarossa“ und „Weserübung gegen Operation Stratford“ nachweisen, wo in letzterem Text die Deutschen mit der Besetzung Skandinaviens den Alliierten „zuvorgekommen seien“, was den expansiven Charakter der nationalsozialistischen Ideologie und der Exekution im 2. Weltkrieg vollkommen negiert. Scheil setzt die „Unschuld“ Deutschlands bei all den Texten voraus und versucht diese, quasi ahistorisch, mit historischen Daten zu belegen, was ihm, der ideologischen Prämisse entsprechend, auch „gelingt“.


Im Text der neuen Sezessions-Ausgabe, aber auch auf einem sog. Kongress des „Instituts für Staatspolitik“, der Anfang Juni in Magdeburg stattfinden wird, soll es jedoch diesmal nicht um den historischen Zeitraum des 2. Weltkriegs gehen, sondern um, anlässlich der 100. Jährung, den Frieden von Versailles. Auch dies ist kein thematisches Neuland für Scheil, bereits 2009 schrieb er in der völkischen Postille „Junge Freiheit“ einen Kommentar, in dem er den Frieden nach dem von Deutschland initiierten 1. Weltkrieg als „Elitenversagen“ verstanden wissen wollte, eine ideologische Position aus der auch die Nationalsozialisten, wenngleich nicht nur, in der „Weimarer Republik“ agitierten. Es steht zu befürchten, dass der Artikel in der Sezession die Erzählung fortführen wird, die zumindest gedankenlogisch auch den Bogen zu seinen Schriften über den 2.Weltkrieg schlagen kann, wo das dort propagierte reaktive Verhalten gut dem empfundenen Opferstatus nach einem verlorenen und selbst angezettelten Welltkrieg, der dem Frieden von Versailles ja vorausging, gegenübergestellt werden kann.


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Redebeitrag „Kein Regalmeter für Faschismus“ – 20.03.2019 – Leipzig

Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten,

wir protestieren heute hier, weil die Buchmesse in Leipzig, genau wie die in Frankfurt, immer noch eine Bühne für rechtsextreme, geschichtsrevisionistische und zutiefst reaktionäre Inhalte bietet. Mit dem Hinweis, dass man sie nicht ausschließen könne, wurde in den vergangenen Jahren für die neuen und alten Nazis Tür und Tor dafür geöffnet, sich als bürgerlich-konservativ, pluralistisch oder gar als demokratisch inszenieren zu können. Die Chance haben insbesondere die Kader und Berufshetzer der sogenannten “Neuen Rechten” ergriffen, die mit dem Antaios-Verlag oder dem Compact Magazin in den letzten Jahren immer wieder Marketing-Gags zur Buchmesse abziehen konnten. Wir erinnern uns beispielsweise an den an sich albernen Einfall auf der letzten Frankfurter Messe: Kubitschek fingiert einen Verkauf, sucht sich einen Fake-Verlag und die Frankfurter Allgemeine Zeitung springt darauf an – ohne Prüfung, ohne sich selbst zu fragen, welches antidemokratische Spiel man da mitspielt. Und immer wenn es Protest gab, hieß es von erwartbarer Seite: Wie schade, dass sich die Extremisten von Links und Rechts nicht einfach zivilisiert unterhalten können. “Drinnen der Geist, draußen die Hooligans” titelte die Süddeutsche Zeitung, die damit auch die antifaschistischen Aktivist*innen meinte, die auf der Leipziger Buchmesse aus einer vermeintlich geistreichen Veranstaltung von Antaios und Compact geprügelt wurden.

Wir halten dagegen fest: Immer wenn die “Neue Rechte” auf der Buchmesse aufgetrumpft hat, kam es zur Gewalt gegen antifaschistische Proteste. Und das liegt nicht daran, dass die prügelnden Neonazis, Identitären und AfDler*innen nicht genug lesen würden. Nein, vielmehr lesen sie eben menschenverachtende Hetze und Propaganda, die sie selbst gerne glauben und andere zu diesem Glauben zwingen wollen. Während sie also – gerne von Schnellroda und dem Institut für Staatspolitik aus – faktisch auf einen Kreuzzug gegen alles Linke, Liberale oder auch nur Menschliche gehen, versuchen sie sich weiter zu inszenieren, wie sie es auf den Buchmessen tun. Die rechtsextremen Bewegungsunternehmer*innen gründen einen Verlag, ein Magazin und eine Initiative nach der anderen, um sich als Mosaik-Rechte zu inszenieren und für rechte und bürgerliche Intellektuelle anschlussfähig zu sein. So ist bspw. Philip Stein, nicht nur Pressesprecher bei der völkischen Deutschen Burschenschaft und Leiter der “Ein Prozent für unser Land”-Initiative, sondern auch Autor für den Kubitschek-Verlag Antaios, Interviewpartner für die Sezession und Verleger seines Jungeuropa-Verlages. Das liegt allerdings nicht daran, dass er und seine Freund*innen so viel zu sagen hätten. Die Gedanken der Identitären oder der gesamten Neurechten sind nicht innovativ, originell oder wenigstens ästhetisch ansprechend. Nein, sie versuchen schlicht und ergreifend faschistische Literatur aus dem 20. Jahrhundert zu modernisieren, was hier bedeutet: Mit schlecht recherchierten Comic-Anspielungen aufpeppen. Sie rotieren weniger für den Inhalt, denn der ist klar: Festung Europa aufbauen, Flüchtlinge ertrinken lassen, Andersdenkende verfolgen, Frauen grundsätzlich entrechten und mit einer eingebildeten liberalen Weltelite abrechnen. Vielmehr verrenken sie sich für den Schein, aktiv, jung und bücherliebend, d.h. vielerorts gewaltlos zu sein.

In unserer politischen Arbeit muss es uns also nicht nur darum gehen, zu immer größeren Protesten zu mobilisieren. Auch dürfen wir uns nicht zu der Sisyphos-Aufgabe drängen lassen, die Rechtsextremen selbst zu überzeugen. Nein, wir müssen von denjenigen, die formell zu Demokratie und Menschenrechten stehen, endlich Haltung einfordern. Hört auf, euch von Kubitschek und Co betrügen zu lassen. Hört auf, die demokratischen Grundwerte für Sicherheit oder Effizienz herzugeben und beschäftigt euch mit eurem eigenen Nationalismus, Revisionismus und eurer eigenen Menschenfeindlichkeit, statt mit den Rechtsextremen von der AfD, der IB oder dem IfS zu koalieren, rumzukungeln oder gar ihre Positionen zu übernehmen. Das schwächt sie nicht, das stärkt sie – wie wir es auf der Buchmesse gesehen haben, wie wir es in Schnellroda sehen und wie wir es an der AfD jeden Tag sehen.

Vielen Dank!

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Zu den rechtsextremen Verlagen bei der „Werkstatt Europa“ – 16.03.2019 Halle(Saale)

Auch wenn hier in diesem Text ein Licht auf die einzelnen Verlage geworfen werden soll, die sich auf der „Werkstatt Europa“ im IB-Haus präsentieren, so liegen die tatsächlichen Unterschiede zwischen ihnen doch eher im PR-Bereich. Auch wenn die Rechtsextremen gerne behaupten, dass es eine vielstimmige, diverse „Mosaik-Rechte“ gäbe, hängen die Verlage so eng zusammen, dass man ihre Unabhängigkeit eher bezweifeln kann. Vielmehr versuchen eine Handvoll Faschist*innen damit krampfhaft, die personelle Stärke zu illustieren, die sie nicht haben. Deshalb finden sich etliche Autor*innen, die bei allen Verlagen erschienen sind und man bezieht sich beständig aufeinander. So ist der hier nicht näher thematisierte „Jungeuropa-Verlag“ ein Projekt von Philip Stein, der als Bewegungsunternehmer auch Chef des Netzwerkes „Ein Prozent für unser Land“, Sprecher der rechtsextremen Deutschen Burschenschaft und regelmäßiger Gast beim „Institut für Staatspolitik“ (IfS) ist. Darüber hinaus gibt er dem Antaios-Blatt „Sezession“ Interviews, schreibt selbst für den Verlag und wird vom Renovamen Verlag beworben. Diese rechtsextreme Selbstbespaßung ist also vor allem Illusion oder die Bedienung unterschiedlicher Zielgruppen – inhaltlich passt zwischen die Verlage kein Blatt.

 

Verlag Antaios

Der Verlag Antaios wurde im Jahr 2000 gegründet. Er wird von Götz Kubitschek geleitet und ist ansässig im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Antaios gilt als hauseigener Verlag des IfS mit seiner angegliederten Zeitschrift, der „Sezession“. Ihre Protagonisten beschreiben das „Institut für Staatspolitik“ gerne als „rechte Denkfabrik“. Tatsächlich ist die Organisation ein wichtiger Knotenpunkt im extrem rechten Netzwerk. Seinem Selbstverständnis nach ist der Verlag Teil  der neurechten Strategie der „Metapolitik“. Dahinter verbirgt sich der Versuch, für  die gesellschaftliche Debatte rechte Themen zu besetzen und Begriffe zu prägen, die dann nach und nach in Medien  und Politik Verwendung finden sollen. Ein solcher Begriff ist beispielsweise der vom sogenannten „großen Austausch“ also der These,  die Regierungen Westeuropas und der USA arbeiteten strategisch an einem Prozess  des Austausch der Bevölkerung durch islamisch geprägte Migrant*innen. Der Verlag Antaios veröffentlichte zunächst nur Theoriebücher zur Ideengeschichte der Neuen Rechten. Nach und nach wurde das Spektrum der Publikationen erweitert. Im vergangenen Jahr konnte der Verlag mit der Herausgabe des als antisemitisch eingeschätzten Buches „Finis Germania“ von Rolf-Peter Sieferle an Bekanntheit gewinnen, nachdem dieses auf der Liste des SPIEGEL „Sachbücher des Monats“ erschien. Auf der Frankfurter Buchmesse wurden neben Sieferles Buch auch ein autobiographischer Text des österreichischen IB-Kaders Martin Sellner sowie eine Art Handbuch zur „Identitären Bewegung“ vorgestellt. Mario Müller, der Autor des letztgenannten Werkes, ist ein führender Kader der „Identitären Bewegung“ in Halle. Im Verlag Antaios erscheint seit 2003 die Zeitschrift „Sezession“. Sie versteht sich als theoretisches Selbstverständigungs- und Debattenorgan eines Teils der „rechtsintellektuellen“ Szene in Deutschland. Die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift verbindet inzwischen vermeintliche Theoriedebatten mit dem Aspekt der Vernetzu
ng unterschiedlicher rechter Akteure aus Identitärer Bewegung und AfD. Entsprechend breit ist die Autorenschaft aufgestellt. Kader der Identitären schreiben ebenso, wie rechtsintellektuelle Publizisten oder Mitarbeiter der sachsen-anhaltischen AfD-Landtagsfraktion. Aber ebenso Geschichtsrevisionisten, die behaupten, dass der 2. Weltkrieg nicht von Deutschland begonnen wurde sowie der eine  moderne Rassenkunde vertretende Andreas Vonderrach finden dort ihre publizistische Heimat.  Die Auflage der Zeitschrift ist marginal. Der Kreis ihrer Leser- und Rezipientenschaft reicht jedoch bis in die Feuilletons der deutschsprachigen Presse, die die menschenverachtende Propaganda teilweise verharmlost. Innerhalb der Bandbreite der deutschsprachigen rechten Verlage ist Antaios gemessen an seiner Größe und seinem mutmaßlichen Umsatz nicht der größte rechte Verlag. Aber er ist im Moment der rechte Verlag mit der größten medialen Reichweite.

 

Renovamen Verlag

Der Renovamen Verlag zeigt seine rechtsextreme Bündnisfähigkeit sehr offen und weist direkt auf der Homepage auf andere Verlage hin, die die gleichen oder ähnliche Bücher vertreiben würden. Hier finden sich dann natürlich auch die anderen Namen, wie der Jungeuropa Verlag, das IfS, der Verlag Manuscriptum, der Verlag Antaios oder der Ares Verlag, der nicht nur den verschwörungsideologischen ehemaligen Chef des Thüringer Verfassungsschutzes Helmut Roewer im Programm hat, sondern auch Unterstützer der NPD. Der Renovamen Verlag selber hat sich scheinbar auf die Zielgruppe rechtsextremer und fundamentalistischer Christ*innen spezialisiert, da die meisten Texte und Bücher einen Bezug zur katholischen Kirchen und zum Glauben aufweisen. Dabei geht es allerdings keineswegs um theologische Abhandlungen oder um Glaubensfragen im engeren Sinne, sondern vor allem um rechtsextreme Hetze. In den Büchern „Der verlorene Hirte“ oder „Der Diktator Papst“ geht es beispielsweise gegen den aktuellen Papst, der absurderweise als zu liberal erscheint. Hier sollen „aufrechte Katholiken“ – die auch Götz Kubitschek schon als Zielgruppe ansgesprochen hat – gegen die von der Kirche angeblich geduldete „Überfremdung“ und den Verfall der Sitten in Stellung gebracht werden. Auch möchte man sich litererarisch gegen den Einfall fremder Glaubensrichtungen rüsten (J. Tschudinowa: „Die Moschee Notre-Dame. Anno 2048“) und warnt vor der Bedrohung des Christentums durch muslimische Invasoren, die man stattdessen bekämpft sehen möchte.

 

Verlag Manuscriptum

Der Verlag Manuscpritum war unsprünglich nur der Nebenverlag des Manufactum-Versandhauses und sollte die Produkte bewerben. Seit 2008 sind Verlag und Versandhaus allerdings getrennt, weshalb sich ersterer – angeleitet durch den Manufactum-Gründer Thomas Hoof – politischen Themen zuwandte. Nun bewirbt der Verlag vor allem Werke antisemitischer, rassistischer und faschistischer Autor*innen und hat sich perfekt in das Netzwerk des rechtsextremen Verlagswesens eingepasst. Man huldigt Oswald Spengler („Der Untergang des Abendlandes“), bewirbt Werke von Alexander Gauland („Die Deutschen und ihre Geschichte“) und Bände der AfD-nahen und von Erika Steinbach geleiteten Desiderius-Erasmus-Stiftung („Nachdenken für Deutschland“). In der Liste der Autor*innen begegenen einem dann fast zwangsläufig Namen, die bereits beim faschistischen IfS und bei Antaios en vogue sind, wie beispielsweise Eberhard Straub, Rolf Peter Sieferle oder Stefan Scheil. Letzterer sieht seine Aufgabe darin, das Deutsche Reich von der Hauptverantwortung im Ersten Weltkrieg zu befreien und sucht nach der „Schuld der Sieger“. Aber auch Björn Höcke, der offen rassistisch-biologistische Positionen vertritt und das Holocaust-Denkmal für eine „Schande“ hält, ist mit dem Interview-Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ vertreten. Der starken Verzahnung von Manuscriptum in der extremen Rechten folgend, haben sich viele aufgeführte Autor*innen auch an der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ beteiligt, die migrationsfeindliche Positionen stärken sollte und als Kooperationsprojekt rechts-konservativer und rechtsextremer Prominenter gesehen werden kann.

 

Jungeuropa Verlag

Der Jungeuropa Verlag wurde 2016 von Philip Stein, dem ehemaligen Sprecher der extrem rechten Deutschen Burschenschaft, gegründet. Philip Stein ist zudem Chef von „EinProzent“, was als Vernetzungsplattform für die „neurechte Szene2 fungiert. Seine Nähe zur Identitärenn Bewegung ist da fast obligatorisch. Wie auch der Antaios-Verlag besitzt der ursprünglich in Dresden beheimatete Verlag ein Büro im Nazihaus der Identitären. Das Verlagsprogramm besteht vor allem aus Neuauflagen faschistischer und antisemitischer „Klassiker“. So gehört etwa das Buch „Die Unzulänglichen“ von dem französischen Faschisten Pierre Drieu la Rochelle oder mehrere Bücher Dominique Venners, der einer rechtsextremen Terrororganisation angehörte und sich 2013 wegen der gleichgeschlechlichen Ehe selber erschoss. Zuletzt wurde das von dem ehemaligen Neonazikader der „NS-Boys“ Benedikt Kaiser verantwortete Heftlein „Marx von rechts“ herausgegeben, was inhaltlich viel „rechts“ bereithielt, dafür jedoch umso weniger Marx. Neben der eindeutig als faschistisch zu bezeichnenden Verlagslinie lässt sich festhalten, dass er vor allem zur szeneinternen Auftragsbeschaffung dient. So finden sich dort als Übersetzer und Lektoren Personen die ansonsten für Antaios schreiben oder arbeiten.

 

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei dem Verlagstreffen für jeden Rechtsextremen was dabei ist. Für den Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien ebenso wie für die Geschichtsrevisionistin, die meint Hitler hätte einfach mehr Bismarck lesen sollen, um den Krieg mit der Wehrmacht gewinnen zu können. Auch paranoide Rassist*innen, die meinen aufgrund von Geflüchteten würden die Deutschen aussterben bis zum identitären Schläger, der Mario Müllers „Kontrakultur“ für ein Fachbuch hält, wird allen etwas geboten. Aus unserer Pespektive bleibt daher vor allem dies deutlich zu benennen und ihnen den heutigen Tag soweit wie möglich zu vermiesen.
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Dušan Dostanić – einer der Redner der Sommerakademie 2018

Wie bereits in unserem Aufruf dargestellt hat das Treffen im Rahmen der Sommerakademie in Schnellroda weniger inhaltlich Originelles als vielmehr einen vernetzenden Charakter für die rechtsextreme Szene Europas. Dies wollen wir an Hand einiger Referenten der Akademie nun genauer darstellen. Aus Serbien wird Dušan Dostanić angekündigt, der über die Lage des Landes am „Rande der EU“ einen Vortrag halten soll. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass es nicht um die Gedanken von Dostanić gehen wird, sondern darum, die Kontakte der rechtsextremen Strukturen untereinander auszubauen.

Man versucht sich gegenseitig mit der jeweils eigenen menschenverachtenden Agenda zu unterstützen und plustert mit den Kontakten das Renomee auf. Dostanić qualifiziert sich dafür, weil er mit dem „Institut für Europäische Studien“ (IES) in Belgrad assoziiert ist, welches einen stramm rechtsextremen Kurs fährt und Serbien beispielsweise von „homosexueller Geopolitik“ bedroht sieht. In dieser Funktion wurde er zusammen mit dem Misa Djurkovic, der dort wissenschaftlicher Mitarbeiter ist, bereits zu dezidiert europäischen Kongressen eingeladen, wie zum Beispiel 2016 zum „Kongress der Verteidiger Europas“ in Linz, wo sich Identitäre, die Verschwörungsideolog*innen vom Compact-Magazin, die österreichische Regierungspartei FPÖ, verschiedene Burschenschaften und Neo-Nazis in den öffentlichen „Redouten-Sälen“ des Landes Oberösterreich treffen. Dabei nehmen sich die einzelnen Akteur*innen, egal ob wirre Montagsdemonstrant*innen, freie Kameradschafter oder vermeintlich seriöse Regierungsmenschen natürlich nichts, weshalb sie sich konsequenterweise als eine gemeinsame „Rechte“ gegen Aufklärung und Humanismus begreifen. Dieses Treffen wurde 2018 in Aistersheim (Oberösterreich) wiederholt, wo Dustanic erneut eingeladen war. Deshalb gehört Kubitscheks Verlag Antaois quasi zum festen Inventar der Linzer Treffen. Die IfS-Truppe aus Schnellroda konnte Dostanic also über verschiedene andere Kontakte kennen lernen und dank dieser Kontakte wurden Götz Kubitschek zusammen mit Marc Jongen, der als Parteiphilosoph der AfD und als „Schüler“ des am rechten Rand fischenden Karlsruher Professor Peter Sloterdijk gilt, scheinbar in der Vergangenheit schon nach Novi Sad eingeladen.

Jenseits dieser Kontakte, hat Dostanić aber auch weitere Vernetzungsarbeit vorzuweisen: So folgt er auf academia.edu wohl nicht umsonst dem (nach eigenen Angaben) Brüsseler Professor David Engels, der unter anderem für das deutsche Magazin CATO schreibt, welches 2017 von Karlheinz Weißmann initiiert wurde, der aus strategischen Uneinigkeiten mit Kubitschek das IfS vor einigen Jahren verlassen hat. Ähnlich sieht es mit Till Kinzel aus, den man ebenfalls unter „Following“ findet. Dieser hat bis 2008 auch für das IfS gearbeitet, nebenbei in der Jungen Freiheit und für das sogenannte rechtslibertäre Magazin „eigentümlich frei“ geschrieben und war Mitglied im anti-linkem, wenn auch seit 1990 unbedeutendem „Bund Freiheit der Wissenschaft“.

Sein eigenes Werk, welches wie gesagt sehr gut zu den seiner rechtsextremen Kontakte passt, findet man im übrigen nicht nur auf seiner vermeintlich wissenschaftlichen Seite („Kant und die Migrationskrise“, „Interview mit Ernst Nolte“ etc.), sondern auch beim menschenfeindlichem und das russische Regime unterstützendem Magazin „Info-Direkt“, welches seinen Sitz ebenfalls in Linz hat. Hier schreibt er – äußerst erwartbar – vom Untergang Europas, der durch die serbisch-orthodoxe Kirche und das allgemeine Bewahren der nationalen, religiösen und familiären „Tradition“ verhindert werden soll. Der Marketing-Strategie der „Neuen Rechten“ hat er sich, wie viele Verbündete von Kubitschek, aber nur sehr oberflächlich angeschlossen, denn er hat auch keine Bedenken für den Ares-Verlag zu schreiben, welcher dem Nationalsozialismus offen huldigt („DUX – Mussolini oder der Wille zur Macht“, „Einbruchschutz, Selbstverteidigung, Home Defense“ oder „Zwischen Front und Heimat – Bahnbetrieb aus Landsersicht“. Identitäres Geschwurbel, beständige Vernetzung, Sympathie für die reaktionärsten Zustände und ein Lust auf die Wiederholung des historischen Faschismus: Es gibt also wenig Neues bei dieser Akademie.

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Rückblick: Shake it up! Die Verhältnisse zum Tanzen bringen – 21.04.2018 in Schnellroda

Am Samstag, dem 21.4. veranstalteten wir, das Kollektiv „IfS dichtmachen“, einen Aktionstag in Schnellroda im Saalekreis. Bekanntermaßen befinden sich dort in einem Rittergut, bzw. sollte man eher von einem Dreiseitenhof sprechen, vereint der Verlag Antaios, das „Institut für Staatspolitik“ und der Wohnsitz der Familie Kubitschek. Unser Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass in diesem unscheinbaren Dorf ein ideologischer Knotenpunkt der „Neuen Rechten“ ansässig ist und wo eine menschenfeindliche Ideologie entwickelt wird, die in ihrer Konsequenz den Tod für nicht in die deutsche Volksgemeinschaft passende Personen bedeutet. Gleichzeitig ist es uns wichtig zu betonen, dass die in Schnellroda und Umgebung lebenden Menschen keineswegs alle geschlossen hinter Kubitschek stehen, sondern dass es dort auch Leute gibt, die sich gegen den braunen Mist stellen wollen. Dementsprechend wollen wir – eingedenk der Probleme des ostdeutschen Hinterlandes – diese emanzipatorischen Einstellungen unterstützen. Mit dem Aktionstag wollten wir zudem aus der Abhängigkeit der Proteste von rechten Veranstaltungen im Dorf (z. B. die „Akademien“) ausbrechen und selbst zu den Aktiven werden, wodurch Götz Kubitschek in Zugzwang gebracht werden sollte.
Der Tag, der uns glücklicherweise wunderbares Wetter bescherte, begann mit dem Aufbau, wobei bereits währenddessen u. a. Ellen Schenke durch das Veranstaltunsgelände joggte, um ganz „unauffällig“ unsere Fortschritte zu beobachten. Nachdem dann die ersten Besucher*innen mit Auto und Bus oder aus dem Dorf angekommen waren, startete die Veranstaltung offiziell mit einer Filmvorführung sowie einem gemeinsamen Vortrag von Kick them out und uns. Letzterer war erfreulicherweise gut besucht und weckte auch das Interesse von ortsansässigen Menschen. Danach folgte eine Demonstration durch die Ortschaft, wobei wir diesmal durch die Banda Internationale unterstützt wurden. Durch ihre fröhliche und kraftvolle Musik wurden viele Anwohner*innen aus ihren Häusern gelockt und es konnten Berührungsängste zur antifaschistischen Demonstration abgebaut werden. Leider können wir nicht vollends positiv auf die Demonstration zurückblicken, da während der vorgeblich unpolitischen Bierverkostung im „Schäfchen“ eine Gruppe, die der lokalen Neonaziszene zuzuordnen ist, versuchte die Demonstration zu provozieren und auch Morddrohungen gegenüber einem Teilnehmer unserer Demonstration äußerte. Der Vorfall wurde im Anschluss zur Anzeige gebracht, wobei die Polizeibeamt*innen versuchten ebenfalls dem Opfer eine Mitschuld zu geben. Einer solchen Täter-Opfer-Umkehr möchten wir aufs deutlichste widersprechen und zeigen uns solidarisch mit dem betroffenen Genossen.

Trotzdessen begannen nach der Demo die Bands mit ihren musikalischen Beiträgen, die sich an viele verschiedene Musikgeschmäcker richteten. So beehrten uns folgende Bands auf der Bühne: S.U.F.F., Strom & Wasser, Banda Comunale, Todeskommando Atomsturm, KAFVKA und Kobito. Zusammenfassend können wir sagen, dass gerade während diesem Teil unserer Veranstaltung eine sehr entspannte Stimmung herrschte und auch bis zum Ende um 23 Uhr mehr als 50 Personen die Konzerte genossen.

Als Fazit können wir festhalten: Über den Tag beteiligten sich etwa 150 Personen an unseren verschiedenen Veranstaltungsformaten, wobei gerade am Nachmittag viele neugierige Anwohner*innen unser Angebot wahrnahmen. Und dies trotz der parallelen Veranstaltung in Ostritz. Auch mit unserer Demonstration konnten wir, obwohl es die zwischenzeitliche Bedrohungssituation gab, einen positiven Impuls setzen, so erhielten wir viele ermutigenden Rückmeldungen von den beobachtenden Anwohner*innen. Ein besonderes Highlight waren für uns die anschließenden Auftritte der Bands, die auch die politische Bedeutung ihres Engagements vor Ort betonten. Jedenfalls lockten zudem die Konzerte Menschen von vor Ort an, deren Kinder sich gleichzeitig auf der Hüpfburg amüsieren konnten. Ebenso zogen die Stände von der Antifaschistische Herzigkeit und Rage & Love viel Interesse auf sich.

Auch wenn Kubitschek in zwei Beiträgen, jeweils vor und nach unserer Veranstaltung betonte, wie egal ihm das Ganze ist, konnte er anscheinend nicht darauf verzichten seine minderjährigen Kinder vorbeizuschicken. Noch skurriler war unserer Meinung nach die Kommentierung unserer Veranstaltung auf Twitter, wo zum Teil völlig realitätsferne Teilnehmerzahlen kommuniziert wurden. Dazu passt, dass Kubitschek sich hinsichtlich unserer Veranstaltung in wüsten Verschwörungstheorien ergötzte.

Wir konnten also erfolgreich ein Fundament, welches wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, verfestigen und werden in Zukunft darauf aufbauen. Wie wir in unserem Redebeitrag betonten, ist es keine unumgängliche Bestimmung, dass Schnellroda der Sitz eines rechtsextremen Verlages und Möchtegernritters ist.

Zuletzt bleibt nur noch ein riesiges Dankeschön an alle Helfer*innen, Unterstützer*innen und Bands, ohne die wir den Tag nicht hätten realisieren können. In diesen Zeiten tut es gut, so viel Solidarität zu erleben.

Bitte teilt uns auch euer Feedback mit, damit wir in Zukunft unseren Protest weiter verbessern können.

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Shake it up! Die Verhältnisse zum Tanzen bringen – 21.04.2018 Schnellroda #SR2104

Wir wollen dem IfS und dem Verlag Antaios etwas entgegensetzen. Widerstand gegen die „neue“ Rechte lässt sich unserer Meinung nach nicht nur in Großstädten realisieren, sondern muss auch in ländlichere Regionen getragen werden, um die vermeintliche rechte Komfortzone für die Rechten unbequemer zu machen. Daher haben wir in Schnellroda am 21.04.2018 einen großen Aktionstag geplant, der insbesondere auch die Menschen vor Ort einbinden soll. Also am 21.04.2018 alle nach Schnellroda – bring your families and friends!


Programm:


13 Uhr///Vorträge und familienfreundliches Programm

15.30 Uhr///Demo durch das Dorf

17 Uhr///Konzert*

S.U.F.F.
https://www.facebook.com/SUFFgalaxie/
http://www.suff-galaxie.de/
https://youtu.be/mVlPjlmCh4k

Strom & Wasser
https://www.facebook.com/stromundwasser/
http://strom-wasser.de/

Banda Internationale
https://www.facebook.com/bandacomunale/
http://www.bandacomunale.de/

Todeskommando Atomsturm
https://www.facebook.com/todeskommando/
http://www.todeskommando.de/
https://todeskommando.bandcamp.com/

Kafvka
https://www.facebook.com/kafvka/
http://www.kafvka.de/
https://www.youtube.com/user/KAFVKA

Kobito
https://www.facebook.com/KobitoBerlin/
http://kobi.to/
https://youtu.be/ZR8USK7QF6k

No place for fascism, racism, antisemitism, sexism, homophobia, trans-/queerphobia, lookism and other bullshit!!


Anreise

  • BUS
    Für Leute, die aus dem Raum Halle anreisen wollen, bieten wir einen Busshuttle an. Dieser ist kostenlos.
    Hin: Abfahrt Halle 12:00 – Ernst-Kamieth-Straße/HBF
    (Ankunft Schnellroda ca. 12:45)
    Zurück: Ab Schnellroda ca. 23:00 (Ankunft Halle ca. 23:45)
    Ihr braucht euch dafür nicht anmelden – kommt einfach hin.
  • ZUG
    In Schnellroda gibt es leider keinen Bahnhof. Aber die Bahnhöfe Karsdorf und Mücheln liegen in der Nähe. Wer von dort abgeholt werden möchte, kann sich am besten in der VA oder bei uns bemerkbar machen, sodass sich Fahrgemeinschaften bzw. Lösungen ergeben. Beachtet bitte, dass die Zugverbindungen abends nicht mehr so gut sind.
  • AUTO
    Am besten wäre, wenn ihr Fahrgemeinschaften bildet. Auf der Karte seht ihr, wo der Parkplatz ist (hintere Straße der LPG). Bitte fahrt diesen über die Müchelstraße an. Der Parkplatz wird sicher sein.

Auf der Karte seht ihr auch, dass das Veranstaltungsgelände auf der nördlichen Straße der LPG sein wird.

Wenn ihr noch Fragen oder so habt, wendet euch gern an uns hier oder per Mail (ifs-dichtmachen@riseup.net).


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Demobericht „IfS in die Insolvenz treiben – Rechte Ideologie einhegen“, Schnellroda, 20.01.2018

Rückblick auf die Proteste in Schnellroda am 20.01.2018
Für den 20. Januar 2018 rief das Kollektiv „IfS dichtmachen“ zur inzwischen fünften Demonstration in Schnellroda auf, um gegen die sogenannte Winterakademie des „Instiuts für Staatspolitik“ zu protestieren. Thema der Winterakademie 2018 war „Wirtschaft: Hegung und Entgrenzung“ und als Referenten traten unter anderem Peter Feist, der Neffe von Margot Honecker, der bereits auf Quertfront-Mahnwachen sprach, und der ehemalige Nazi-Kameradschafter Benedikt Kaiser auf. 
Der Einladung des Kollektivs „IfS dichtmachen“ sind an diesem Samstag bis zu 100 Anwohner*innen und Antifaschist*innen aus der näheren Umgebung, sowie aus Halle, Leipzig, Jena und Berlin gefolgt, um lautstark und entschlossen gegen die „Winterakademie“ zu protestieren. Mit dabei waren auch Katharina König-Preuß (MdL Thüringen) und der (ehemalige Jugend-)Pastor Lothar König. 
Ab 14:00 Uhr wurden in dem Dorf drei verschiedene Infopunkte angemeldet, an denen man sich über die rechten Umtriebe des „Instituts für Staatspolitik“ informieren konnte. Zudem konnte man sich dort unsere neuen Broschüren abholen, welche die Redebeiträge der letzten Proteste beinhalten.  
Ab 16:00 Uhr startete dann die Demonstration durch Schnellroda. Die Redebeiträge beschäftigten sich mit verschiedenen Themen, beispielsweise den verkürzten Antikapitalismus der „Neuen Rechten“ und Bedrohnungsszenarien durch die „Identitäre Bewegung“. Während der Demonstration selber verschanzten sich die Teilnehmer*innen der Akademie im Gasthaus „Zum Schäfchen“. Lediglich Mario Müller zeigte sich am Fenster, um die Demo abzufotografieren. 
Trotzdem führte unser Protest den Nachmittag über immer wieder dazu, dass sich die Rechten ihrem Programm ab- und uns zuwandten, um zu provozieren und zu beleidigen. Trotz dieser -wahrscheinlich auch vom Freibier des „Schäfchens“ inspirierten- Versuche, konnten wir unsere Veranstaltungen ohne Zwischenfälle bis 17:15 Uhr durchführen. Wir danken allen, die entschlossen gegen die Hetze des IfS protestiert haben! Eine Demonstration in Schnellroda, ein Dorf mit wenigen Straßen, gehört nicht zu den spektakulärsten Höhepunkten im Jahr. Aber wir vom Kollektiv sind der Meinung, dass es notwendig ist, regelmäßig in Schnellroda auf die Straße zu gehen, um die Anwohner*innen dort nicht alleine zu lassen und das „IfS“ nicht ungestört zu lassen. Das „IfS“ ist bereits seit über 15 Jahren in Schnellroda ansässig und hatte viel zu lange seine Ruhe. Antifa ist und bleibt eben auch Landarbeit und deswegen werden wir wiederkommen! 
Zudem haben wir vom Kollektiv “IfS dichtmachen” bereits weitere Aktionen in Schnellroda geplant, die über Demonstrationen hinausgehen. Diese werden demnächst auf unseren Plattformen (Blog, FacebookTwitterangekündigt.

 
Mario Müllers geklaute Nase
Seit Samstagnachmittag machen im Online-Portal Twitter Kurznachrichten die Runde, die sich mit Mario Müllers Nase bzw. dem Diebstahl derselben befassen. Doch was steckt dahinter?
Mario Müller ist der Kopf der sogenannten „Kontrakultur Halle“. Er versucht regelmäßig Andersdenkende einzuschüchtern und versucht seinen Gegenübern das Gefühl zu vermitteln, dass sie ihm unterlegen seien. 
Bei unserem Protest am Samstag gegen die sog. Winterakademie des „Instituts für Staatspolitik“, kam Mario Müller gemeinsam mit Jörg Dittus zu antifaschistischen Teilnehmer*innen auf die andere Straßenseite, um diese einzuschüchtern. Eine Aktivistin nahm dies zum Anlass, auf Müller zuzugehen und ihm die Nase zu „klauen“. (Ja genau, das Spiel, was man mit dreijährigen Kindern macht.) Daraufhin rastete Mario Müller aus, da er in der Situation, in welcher er sich zunächst stark und souverän fühlte, plötzlich von einer Frau lächerlich gemacht wurde, worauf bei ihm sein nur schwer kontrollierter Gewaltimpuls durchbrach. Er fing an zu schubsen und musste von anderen Menschen zurückgehalten werden. Schließlich wurde er von der Polizei auf die andere Straßenseite zurückgebracht, wo er dann von Götz Kubitschek zurück in das Gasthaus „Zum Schäfchen“ geschickt wurde.
Wir möchten an dieser Stelle festhalten, dass es sich bei Mario Müller und den anderen Kadern sehr wohl um gewaltbereite Personen handelt, wie etwa auch der Angriff auf Zivilbeamte auf dem Steintorcampus, die für „Linke“ gehalten wurden, zeigt. Gewalt ist für die „Identitäre Bewegung“ ein Bestandteil ihrer menschenverachtenden Ideologie. Es wäre jedoch falsch die Personen zu mystifizieren, da sie bei dem Aufbau eines Bedrohungsszenarios gegenüber anderen Personen genau von diesem Mythos profitieren. 
Antifa heißt in die Offensive zu gehen und auch den Mitgliedern der „Identitären Bewegung“ deutlich ihre Grenzen aufzuzeigen. 

Redebeiträge

(wird nachgereicht)

Demobericht
Antifa Kampfausbildung: Demobericht Schnellroda 20.01.2018

Presse
corax – Protest gegen das Institut für Staatspolitik in Schnellroda: https://www.freie-radios.net/87012
Blick nach Rechts – Neurechte „Winterakademie“ in der ostdeutschen Provinz: https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/neurechte-winterakademie-in-der-ostdeutschen-provinz
ak[due]ll – Ein Wissenschaftler auf neurechten Pfaden: http://akduell.de/2018/01/ein-wissenschaftler-auf-neurechten-pfaden/

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Broschüre: Beiträge zu den Demonstrationen gegen die „Neue Rechte“ in Schnellroda 2016-2017

Schnellroda, ein auf den ersten Blick eher langweiliges Dorf im Süden SachsenAnhalts, irgendwo zwischen Querfurt und Naumburg. Doch mitnichten, seit sich
2002 Götz Kubitschek und damit auch das Institut für Staatspolitik mit seinem
Komplement, dem Verlag Antaios, und der hauseigenen Zeitschrift Sezession im
örtlichen Rittergut niederließen, avancierte der Ort zu einem Zentrum faschistischer
Strömungen, die oftmals unter dem Begriff „Neue Rechte“ zusammengefasst
werden. Orientierte man sich zunächst an dem Ideal einer Metapolitik, das heißt
der Eroberung des „vorpolitischen Raumes“, drängte Kubitschek spätestens seit
Beginn 2015 im Zuge völkischer Bewegungen wie „Pegida“ oder
„Legida“ zunehmend in die Rolle eines aktiven Agitators. Diese Agitation blieb,
verstärkt durch die sogenannte „Flüchtlingskrise“ als Katalysator der
apokalyptischen Untergangszenarien der „Neuen Rechten“, nicht ohne
Folgen.
Schlug der von Kubitschek propagierte „zivile Ungehorsam“ gegenüber der
Aufnahme Geflüchteter sich deutschlandweit in einem ungeahnten Anstieg der
Übergriffe auf Nichtdeutsche sowie Geflüchtetenunterkünfte nieder, darf es nicht
verwundern, dass sich die Bedrohungslage für Migrant*innen und politisch
Andersdenkende gerade in der sachsen-anhaltinischen Provinz eklatant
verschärfte. Diese Ausgangssituationen nahmen lokale Aktivist*innen, unterstützt
von antifaschistischen Menschen aus Halle (Saale) und Leipzig, zum Anlass ihren
Protest direkt in das Zentrum der faschistischen neurechten Agitation zu tragen. So
ging es neben der Unterstützung lokal aktiver Menschen, auch darum aufzuzeigen,
dass auch die als vermeintlich urtümlich imaginierte ostdeutsche Provinz kein
Rückzugsraum für reaktionäre Institutionen ist. So versammelten sich am
16.09.2016 etwa 120-130 lokale Aktivist*innen und Antifaschist*innen aus Leipzig
und Halle um gegen die sogenannte Sommerakademie des Instituts für
Staatspolitik zu demonstrieren. Bei der Sommerakademie handelt es sich um ein
Vernetzungstreffen rechtskonservativer bis rechtsextremer Akteure, wie der
Identitären Bewegung, bei dem auch ideologische Grundlagen der Neuen Rechten
vermittelt werden. Eine weitere erfolgreiche Veranstaltung konnte am 05.11.2016
anlässlich der 75. Ausgabe der Sezession durchgeführt werden. Zu diesem Anlass
versammelten sich etwa 70-80 Menschen, um deutlich zu machen, dass es ihnen
nicht egal ist, wenn in Schnellroda von Agitatoren wie Maximilian Krah und Marc
Jongen antiliberales und antimodernes Gedankengut in vermeintlich heimeliger
Atmosphäre propagiert wird. Die erste Aktion nach dem Jahreswechsel 2016/2017
konnte am 17. Februar 2017 mit einem 140-Teilnehmer*innen starkem Protest
gegen die „Winterakademie“ unter dem Motto „Ifs dichtmachen!“ durchgeführt
werden. Nach dem einjährigen „Jubiläum“ der Schnellroda
-Proteste, welche dieses
Mal durch Proteste gegen die „Sommerakademie“ am 16. September 2017 ihren
Jahresabschluss fanden, haben die Organisator*innen beschlossen, von nun an
als Kollektiv „IfS dichtmachen“ zusammenzuarbeiten. Mit diesem Heft wollen wir
einen Ausblick auf künftige Proteste gegen die neurechte Hetze geben und
gleichermaßen das bisher Getane reflektieren.

(PDF, ca. 2 MB) Kollektiv „IfS dichtmachen“ – Broschüre – Redebeiträge – Schnellroda – 2016-2017

Wenn ihr die Broschüre in gedruckter Form zum verteilen haben möchtet, meldet euch bitte per Mail.

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Wer wir sind!

Schnellroda, ein Dorf in der Nähe von Halle, ist seit mehr als 15 Jahren der Sitz für das
„Institut für Staatspolitik“, welches u. a. von Götz Kubitschek gegründet wurde. Viele Jahre liefen die Aktivitäten dort völlig ungestört. Erst mit dem Aufkommen der „Identitären Bewegung“ und der Vernetzung dieser mit dem Institut, rückte der Ort in den Fokus antifaschistischer Gruppen.

Am 16.09.2016 wurde die erste Demonstration in Schnellroda gegen die Sommerakademie des „Instituts für Staatspolitik“ auf die Beine gestellt. Diese Akademien finden zweimal im Jahr statt und haben sich zum Treffpunkt für Mitglieder der „Identitären Bewegung“, Burschenschaftler, Mitglieder der „Jungen Alternative“ und AfD-Mitglieder herauskristallisiert.

Organisiert wurde der Protest von Aktivist*innen aus der Region selbst und aus Halle. Unterstützt wurden die Aktivist*innen dabei unter anderem von den Bündnissen „No Halgida“ und „Aufstehen gegen Rassismus Mitteldeutschland“. Bereits drei Mal konnten die Akademien durch erfolgreiche Proteste in dem Ort gestört werden.

Schnellroda ist einer der entscheidenden Vernetzungspunkte der „Neuen Rechten“ und als solcher zu wichtig, als dass man ihn ignorieren kann. Aus diesem Grund haben wir uns
entschieden, aus diesem eher losen Bündnis eine feste Gruppe zu bilden, um regelmäßig in dem Ort präsent zu sein und Gegenangebote zu der menschenverachtenden Hetze der

„Neuen Rechten“ bieten zu können. Daraus entstand das „Kollektiv IfS dichtmachen“, welches unser erklärtes Ziel bereits im Namen trägt.

Wir werden der „Neuen Rechten“ in Schnellroda keine Ruhe lassen, denn für uns heißt es:
Antifa bleibt Landarbeit!

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IfS in die Insolvenz treiben – Rechte Ideologie einhegen

Vom 19. bis zum 21. Januar findet im sachsen-anhaltischen Dorf Schnellroda (Saalekreis) die jährliche Winterakademie des faschistischen Instituts für Staatspolitik (IfS) statt. Was dieses Mal unter dem Motto „Wirtschaft: Hegung und Entgrenzung“ stattfinden soll, verlangt wieder einmal unseren entschlossenen Widerstand. Theoretisch wäre damit alles gesagt, denn auch wenn die IfS-Akademien sich immer neue Mottos geben, ist es letztendlich immer das Gleiche. Ganz unabhängig ob das Thema „Gewalt“, „Parteienmacht“ oder eben „Wirtschaft“ lautet: Selbst wenn sich die Faschist*innen noch so intellektuell geben, ihre „Theorien“ sind platt, wahnhaft und erklären weniger ihren Gegenstand als die menschenfeindliche Ideologie der Referenten (auch dieses Jahr referieren nur Männer).

Während im September über die bösen Parteien, die das Volk spalten und die armen Nazis unterdrücken würden, gejammert wurde, wähnt sich der besorgte Schnellroda-Besucher wie zum Beispiel der Publizist Michael Wiesberg nun als Opfer der „Amerikanisierung“. Der kaut den anspruchslosen Leser*innen der Sezession das vor, womit er auch schon die Jahrzehnte davor genervt hat: Der arme Nationalstaat würde durch Großkonzerne und transnationale Netzwerke entmachtet. Ähnlich klassisch geht es mit den ehemaligen Nazi-Kameradschafter Benedikt Kaiser und dem Burschenschafter Felix Menzel weiter, die wie immer nichts Neues beitragen und deren intellektueller Anspruch wohl damit zu beschreiben ist, dass Menzel politische Gegnerinnen als „fette Qualle“ und „widerliches Etwas“ beschimpft und dafür verurteilt wurde. Auf dem Niveau bewegt sich auch Michael Beleites, der die Wettbewerbslogik in der Wirtschaft bekämpfen möchte, dafür aber kein Verständnis von Ökonomie, sondern die Suche nach Naturgesetzen hat. Seiner Vorstellung nach ist es relevant, dass es zum „Darwinismus“ eine „biologische Alternative“ gäbe. Ähnlich absurd wird das eigentliche Thema Wirtschaft von Peter Feist umschifft, dessen vermeintliche Hauptqualifikation scheinbar darin besteht, der Neffe von Margot Honecker zu sein und ansonsten dadurch aufgefallen ist, auf den Querfront-Mahnwachen ab 2014 einen „nationalen Sozialismus“ zu fordern. Wissenschaftliche Legitimation soll nun ein Prof. Dr. Lothar Fritze bieten, der über das „Marxsche Denken“ referieren wird, ohne es jemals verstanden zu haben. Das muss er auch nicht, denn als Mitarbeiter des staatlich geförderten „Hannah-Arendt-Institutes für Totalitarismusforschung“ aus Dresden ist seine Aufgabe vor allem die deutschen Verbrechen – inklusive Holocaust – zu relativieren und den Faschismus zu verharmlosen.Letztendlich lässt sich festhalten, dass das Thema hier durch jedes andere zu ersetzen wäre, denn auch bei der „Wirtschaft“ geht es nur darum, dass das „deutsche Volk“ überfremdet wird. Durch Großkonzere, durch liberalen und linken Internationalismus oder durch fehlenden Einklang mit der Natur. Das Gegenmodell dazu ist dann die „rechte Kapitalismuskritik“, die diesem das nachbarschaftliche, naturverbundene Wirtschaften im mittelalterlichen Stil entgegen setzt. Diese „Kritik“ geht an wirtschaftlichen Verhältnissen meilenweit vorbei, denn Völker, Nationalstaaten, Grenzen und Hierarchien sind nichts, was dem Kapitalismus widersprechen würde und der Hauptkonflikt liegt nicht – wie die Rechten dreist herbeilügen – irgendwie in der „Kultur“ oder der „Identität“, sondern in der Ausbeutung des Menschen. Aber um die Bekämpfung dieser geht es auch gar nicht, denn das rechte Gegenmodell sieht eben keine „amerikanischen Kapitalisten“ an der Spitze, sondern Dorffürsten wie Kubitschek und die Gewalttäter*innen aus seiner Gefolgschaft, die die Unterdrückung im völkischen Sinne neu organisieren sollen. Da es dem IfS also gelungen ist, ein Programm zu organisieren, was sogar die abgehärteten Dauer-Teilnehmer von der militanten „Identitären Bewegung“ langweilen wird, könnte man also Entwarnung geben. Leider drückt diese Winterakademie bestehende irrationale und regressive Tendenzen aus, die bekämpft werden müssen. So gibt es auch außerhalb abgeschiedener Zirkel in Schnellroda den Trend, die soziale Frage mit völkischem Pathos falsch zu beantworten. Gerade wegen ihrer Dummheit sind die IfSler*innen hier symptomatisch. Sichtbar wird das auch, wenn man die Referenten Beleites und Fritze betrachtet, die durchaus zur sächsischen Provinzelite gehören. Fritze gilt trotz seines Wahns als seriöser Wissenschaftler und Beleites war immerhin 10 Jahre lang Beauftragter für die Stasi-Unterlagen des Freistaates.

Wir haben jedenfalls viele Gründe, um am 20. Januar erneut in Schnellroda zu protestieren und die Akademie zu dem Desaster zu machen, welches sie inhaltlich schon ist. Uns geht es dabei nicht darum, dass sie in ihrer „Denkfabrik“ besonders kluge Strategien entwickeln würden, sondern darum, dass sie sich vernetzen, ihre Propaganda verbreiten und ihre Ideologie der Unterdrückung zu stärken suchen. Dagegen steht unser antifaschistischer Gegenprotest für ernsthafte Kritik an den bestehenden Verhältnissen und den konsequenten Kampf gegen ihre falsche Alternative!

IfS in die Insolvenz treiben – Rechte Ideologie einhegen!
Sonnabend, 20.01.2018, Schnellroda
Infopunkte ab 14 Uhr
Demonstration ab 16 Uhr

Anreise

Wir werden wieder mit mehreren Bussen fahren.
Erste Welle: 13:00 Uhr, ab Halle, mit Kleinbussen

Zweite Welle: 12:22 Uhr, ab Halle Hbf, 14:12 Uhr Ankunft in Karsdorf, von dort holen wir euch per Shuttle ab

Dritte Welle: 14:07 Uhr, ab Halle Hbf, 15:12 Uhr Ankunft in Karsdorf, von dort holen wir euch per Shuttle ab

Bitte meldet Euch ausschließlich über Mail (ifs-dichtmachen [ät] riseup.net) an, damit wir einen besseren Überblick haben. Dann werden Euch auch die Treffpunkte für die erste Welle etc. mitgeteilt.

Zurück geht es natürlich auf dem Weg den ihr gekommen seid.

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