Dirk Alt – Zwischen Bildungsauftrag und Faschismus

Der 1982 in Hannover geborene Historiker Dirk Alt wird von ‚Kinofenster‘ als Autor geführt. ‚Kinofenster‘ ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, welches sich die Medienbildung für Schüler:innen auf die Fahne geschrieben hat. Darüber hinaus ist er in mehreren bildungspolitischen Projekten und Vereinen aktiv, die sich mit Filmen und Filmgeschichte beschäftigen (z. B. Gesellschaft für Filmstudien, Filminstitut Hannover, Politische Bildungsstätte Helmstedt). Sie richten sich insbesondere an Schüler:innen, ein Schwerpunkt ist das Thema Nationalsozialismus.

Jüngst trat er zudem als Autor der faschistischen Zeitschrift ‚Sezession‘, herausgegeben von Götz Kubitschek, in Erscheinung. Erstmalig verfasste er für die ‚Sezession‘ im Heft 94 (Januar/Februar 2020) einen Artikel. Auch im darauffolgenden Heft 95 (März/April 2020) publizierte er in der ‚Sezession‘, weitere Artikel sind angekündigt. Zuvor schrieb er bereits 2019 einen Beitrag für den extrem rechten Blog ‚Achse des Guten‘.

Inhaltlich auffällig ist vor allem die biologistische Sprache. So schreibt er in der ‚Sezession‘ 95 von den „Minderbemittelten“. In einem weiteren Artikel über einen Vortragsabend mit Christoph Giesa und Klaus Schenk Graf von Stauffenberg ergeht sich Alt in despektierlichen Beschreibungen über das Aussehen und die vermeintliche Schwäche der Einladenden (‚Sezession‘ 94). Er beschäftigt sich also nicht mehr nur mit Filmen, sondern bedient mittlerweile das gesamte thematische Spektrum der ‚Neuen Rechten‘.

Auch nach versuchter Kontaktaufnahme mit dem ‚Kinofenster‘ erhielten wir keine Stellungnahme, warum sie einen Autor führen, der nun für eine faschistische Zeitschrift schreibt. Wir fordern daher, dass alle genannten Institutionen die Zusammenarbeit mit Dirk Alt beenden. Wir halten es für unverantwortlich, dass ein Autor einer faschistischen Zeitschrift mit der Bildung von Schüler:innen beauftragt ist.

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Das »IfS« und der Anschlag von Halle

Die »Neue Rechte« zwischen Verharmlosung und Verschwörungstheorien.

Liebe Anwohner*innen von Schnellroda und Interessierte,

wie Sie sicher mitbekommen haben, hat sich im letzten Jahr ein tragischer Vorfall in Halle ereignet. Am 9. Oktober 2019 kam es zu einem rechten Terroranschlag, in dessen Zuge zwei Menschen ermordet wurden. Auch das in Schnellroda ansässige IfS hat diesbezüglich einen Beitrag verfasst, den wir als Kollektiv ‘IfS dichtmachen’ nicht unwidersprochen stehen lassen und näher beleuchten wollen. In unserem zweiten Newsletter wollen wir nun einen Überblick geben und zum Nach- und Mitdenken anregen.

Anlässlich des antisemitischen Anschlags am 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) veröffentlichte die „neurechte“ Zeitschrift „Sezession“ einen Beitrag unter dem Namen „Was der Anschlag von Halle bedeutet“ [1]. Verfasst wurde dieser von Martin Semlitsch (Pseudonym: Martin Lichtmesz). Nachfolgender Artikel wird diesen Beitrag näher beleuchten und kommentieren.

Semlitsch schreibt eingangs:
Zwei wehrlose, unschuldige Menschen, die das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, sind anlaßlos und feige ermordet worden, wurden Opfer des Ego-Shooter-Wahns einer lemurenhaften Gestalt, deren Erbärmlichkeit und Niedertracht schier unfaßbar sind.“ und weiter, „Daß er am Ende wahllos um sich ballerte, und killte, wen er gerade vor die Flinte bekam, scheint ziemlich bezeichnend für seine eigentliche Geistes-verfassung jenseits aller ideologischen Hülsen zu sein. Er entspricht dem Bild des Extremisten, dessen Haß keine rationale Basis hat und sich genauso gut an anderen, beliebigen Objekten austoben könnte.“

Diese Aussagen Semlitschs sollen im Folgenden untersucht werden, um die Argumentation der „Neuen Rechten“ bezüglich des Anschlages beispielhaft aufzuzeigen und zu widerlegen.

Semlitsch erwähnt zwischen obigen Zitaten wenigstens kurz, dass der Täter aufgrund einer antisemitischen Motivation überhaupt zu diesem Anschlag kam. Die Aussage, der Täter sei psychisch krank und agierte irrational im Egoshooter-Wahn, verharmlost jedoch den primär zugrundeliegenden Antisemi-tismus ebenso wie die angeblich beliebige Wahl des Feindbildes. Er entschloss sich aufgrund seines antisemitischen Wahns mit genauester Überlegung zu diesem Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. So sagt er während des Live-streams, dass Feminismus der Grund sinkender Geburtenraten sei. Sinkende Geburtenraten wiederum ein Argument für „Massenimmigration“. Die konspirativen Strippenzieher*innen seien Jüd*innen, welche Feminismus, Marxismus und den „großen Austausch“ der Bevölkerung zu verantworten hätten.

Das Gedankenkonstrukt vom „Großen Austausch“, in neuerer Zeit geprägt vom rechten Schriftsteller Renaud Camus, wird im Übrigen von Rechten jeglicher Couleur propagiert. Im ver-öffentlichten Manifest des Attentäters von Halle wird einmal mehr deutlich, dass sich sein Weltbild aus Antisemitismus als primären Pfeiler und weiterführend durch Rassismus und Antifeminismus zusammensetzt. Angesichts dieses Ideologie-konstrukts, was, wie bereits erwähnt, keine Neuerfindung vom Täter ist und tagtäglich genauso oder teilweise in dieser Form von Neurechten gepredigt wird, ist es schwer davon zu sprechen, er könnte sich „an anderen, beliebigen Objekten“ austoben. Weiter entkräftigt wird diese Aussage durch den vom Täter gewünschten Effekt nach diesem Anschlag: sein Anschlag solle Inspiration für andere „unterdrückte Weiße“ sein, die sich laut dem Täter zum Ziel setzen sollten, so viele Jüd*innen wie möglich zu ermorden. Es zeigt sich, dass der Täter ein ge-festigtes ideologisches Konstrukt besitzt und sich genau überlegte, was durch diesen Anschlag erzielt werden soll. Glücklicherweise gelang es ihm nicht, in die Synagoge einzu-dringen, allerdings ermordete er, frustriert durch seinen Fehl-schlag keine Jüd*innen getötet zu haben, im weiteren Verlauf eine Passantin vor der Synagoge und eine weitere Person in einem Döner-Imbiss. Zudem verletzte der Täter mehrere Menschen.

Weiter ist der Hang zum Verschwörungsdenken bei Semlitsch und auch in den zugehörigen Kommentaren zu beobachten. Bezüglich des Anschlages wird teilweise davon ausgegangen oder zumindest der Verdacht erhoben, er könne auch inszeniert sein, die Frage nach dem „wem nützt es?“ wird dabei nicht nur einmal gestellt.

Semlitsch:
3. Mein erster Gedanke, als ich die Nachricht hörte, war, daß es sich womöglich um eine „False Flag“- bzw. „Deep State“-Aktion handelt, passenderweise kurz vor den Landtagswahlen im „blauen“ Thüringen, und nicht zuletzt wegen des Standorts Halle, wo sich auch das umstrittene identitäre Barprojekt „Flamberg“ befindet. Wie verlockend wäre es für die Freunde vom Staatsschutz, hier eine Verbindung konstruieren zu können!“

Einer der Kommentare unter dem Sezessions-Artikel lautet:
Vielleicht lehne ich mich jetzt etwas weit aus dem Fenster, aber langsam häufen sich die seltsamen Zufälle, die natürlich auch rein zufällig immer genau zum richtigen Zeitpunkt auftreten.“ und weiter, „Das kommt mir so vor, als arbeitet hier jemand eine Agenda ab, deren Ziel es offensichtlich ist mit ausreichend Vorlauf die Bürger vor wichtigen Wahlen durch das gut getaktete platzieren entsprechender Ereignisse permanent auf einem hysterischen „Oh weh, der rechte Terror bzw. die rechte Gefahr ist im Aufwind“ Ausflug zu schicken und nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen, bis die Wahlen vorüber sind.“

Für diese Anschläge muss keine konspirative Macht wirken. Die Ideologie, die als Grundlage solcherlei Anschläge dient, wird seit ewigen Jahren in Deutschland und weltweit propagiert (Stichwort „Großer Austausch“ u.ä.). Die fehlende Selbst-reflektion der Auswirkungen des eigenen politischen Programms muss daher als Teil der Ideologie aufgefasst werden.

Ein weiterer Kommentar:
„Was der Anschlag in Halle bedeutet: Veramerikanisierung. Nicht mehr, nicht weniger. Das ganze Schauspiel ist einmal mehr ein Musterbeispiel dafür, daß es sich bei allem Übel worunter Deutschland und Europa leidet, um einen Export der anglo-amerikanischen Unkultur handelt. Sprichwörtlich bringen die USA die Pest in ihrem Gefolge wie früher die Ratten.“

Die US-amerikanische Kultur wird als schädlicher, quasi „parasitärer“ Faktor wahrgenommen, welcher die wahrhaftigen Kulturen Europas zerstöre. Neben dem antiamerikanischen Ressentiment, das in der Rechten nicht selten mit dem Anti-semitischen verbunden ist, tritt der Antisemitismus bei der Ratten-Metapher offen zutage.

Beide und ähnliche Kommentare sind seit Oktober 2019, kommentarlos, unter dem Sezessions-Artikel zu finden. Im Übrigen wird das Kommentariat redaktionell betreut, Kommen-tare müssen daher von der Redaktion freigeschalten werden.

Im weiteren Text lässt es sich Semlitsch nicht nehmen, die Alternative für Deutschland (AfD) in Schutz zu nehmen, die nach dem Anschlag von Halle unter scharfe Kritik geriet.

Es war nun ausgerechnet die AfD, die am beharrlichsten den Finger in die Wunde gelegt hat, was das Problem des „importierten“ muslimischen Antisemitismus angeht – dieselbe AfD, die nun mirnixdirnix für Halle verantwortlich gemacht wird.“

Als selbstausgemachter Vorkämpfer gegen Antisemitismus müsse diese Partei doch gerade konsequent gegen jede Form von Antisemitismus in der Gesellschaft und in den eigenen Reihen vorgehen? So ist es allerdings nicht in der Realität. Ein paar wenige Beispiele unter vielen: So duldet oder duldete die AfD Holocaustleugner beziehungsweise Verharmloser in ihren eigenen Reihen, wie Wolfgang Gedeon, ehemaliger Landtags-abgeordneter in Baden-Württemberg, der erst nach einer langen Zeit und wahrscheinlich vielmehr aus Imagegründen aus der AfD ausgeschlossen wurde. Oder auch Doris von Sayn-Wittgenstein, welche einen Verein unterstützte, der den Holocaust leugnete. Bevor sie überhaupt ausgeschlossen wurde, wählte man sie zur Landesvorsitzenden von Schleswig-Holstein. Laut einer Um-frage des „Institut für Demoskopie Allensbach“ unterstützen 55% der befragten AfD-Anhänger die Aussage „Juden haben auf der Welt zu viel Einfluss.“. Die Frage ist, warum sich selbige Personen von der AfD angezogen fühlen. Die „Juden in der AfD“ haben gerade einmal 24 Mitglieder. Alle größeren jüdischen Organisationen lehnen die AfD ab, auch der Staat Israel steht der AfD nicht freundlich gesinnt gegenüber. Als Kämpfer gegen Antisemitismus kann sich diese Partei auf keinen Fall hochstilisieren. Vielmehr befeuert sie bereits vorhandene antisemitische Ressentiments in der Gesellschaft oder ignoriert diese.

Letztendlich lässt sich zusammenfassen, dass Semlitsch und die Sezession den Anschlag von Halle als „Einzeltat eines Wahn-sinnigen“ auslegen wollen, was er in einer Reihe von rechten Terrorakten keinesfalls ist (siehe Mord Walter Lübcke und Anschlag von Hanau). Zudem wird einmal mehr die AfD in eine Opferrolle gesteckt, obwohl diese Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus befördern und eben doch Mittäter*in ist. Genau wie die Sezession und Semlitsch selbst.

Das Engagement gegen das „Institut für Staatspolitik“ („IfS“), mitsamt der zugehörigen Strukturen bleibt wichtig. Martin Semlitsch schreibt nicht nur für den Sezessionsblog, sondern publiziert auch für den Antaios-Verlag des „IfS“ und spricht als Referent auf den Akademien. Der Anspruch des „IfS“ ist es, geistige Eliten auszubilden. Diese Elite soll die breite Bevölkerung mit Ideologie beliefern und somit den theoretischen Überbau für die gewünschte Praxis schaffen sowie den herbeigesehnten rechten Umsturz anfeuern. Die ausgebildete Elite soll sich dabei von plumpen Neo-Nazis abheben. Alte Ideologie wird neu verpackt, womit man die produzierten Inhalte massentauglicher machen möchte.

Das „IfS“ stellt eine wichtige Struktur der neuen Rechten dar. Wie aufgezeigt, können die Aktivitäten des „IfS“ und die dort propagierte „neurechte“ Ideologie nicht losgelöst von dem Anschlag in Halle betrachtet werden [2]. Wir als „Kollektiv IfS dichtmachen!“ haben es uns zur Aufgabe gemacht, über das selbsternannte Institut aufzuklären und Gegenwehr zu orga-nisieren. Dies bleibt auch nach dem Terroranschlag von Halle wichtig, da die ideologischen Motivationen des Attentäters dort publizistisch vertreten und im Rahmen der Akademien an junge Meschen vermittelt werden. Schaut auf unserem Blog oder auch auf unserer Facebookseite vorbei und informiert euch über das „Institut für Staatspolitik“, seine Machenschaften und unsere Proteste dagegen!

[1] https://web.archive.org/web/20200329161541/https://sezession.de/61650/was-der-anschlag-von-halle-bedeutet

[2] Zum Zusammenhang zwischen rechtem Terror und der Ideologie des „IfS“ siehe auch unser Redebeitrag „Politik der Tat“ vom 20.09.2019: https://ifsdichtmachen.noblogs.org/post/2019/09/23/redebeitrag-politik-der-tat-20-09-19/


Dieser Beitrag ist Bereits beim Transit Magazin am 10.04.2020 erschienen:
https://transit-magazin.de/2020/04/das-ifs-und-der-anschlag-von-halle/

Newsletter als PDF zum Download:
202005_ifs_dichtmachen_newsletter

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Onlinevortrag: Zum Volks- und Geschichtsbegriff des „Instituts für Staatspolitik“

In unserem Vortrag möchten wir der Frage nachgehen, wie der Begriff des „Volkes“ in den Publikationen des „Instituts für Staatspolitik“ verhandelt wird. In einem ersten Schritt soll zunächst ein Beitrag von Caroline Sommerfeld auf der Plattform „Sezession im Netz“ analysiert werden. Anhand verschiedener im Verlag „Antaios“ erschienener Publikationen wird im nächsten Schritt untersucht, wie sich die Autor*innen einer völkischen Geschichtsschreibung bedienen. Diese beiden Blickwinkel werden im Anschluss zusammengeführt, um die Frage nach der Konstruktion des Volksbegriffs und deren Funktion zu erörtern.

Link zum Video:
Onlinevortrag: Zum Volks- und Geschichtsbegriff des „Instituts für Staatspolitik“ from IfS-dichtmachen on Vimeo.

Stream:
https://www.twitch.tv/ifs_dichtmachen/

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Demobericht: Den Faschisten keine Ruh – auf nach Schnellroda! #SR0603

Den Faschisten keine Ruh - auf nach Schnellroda! #SR0603

Den Faschisten keine Ruh – auf nach Schnellroda! #SR0603

Als Kollektiv „IfS dichtmachen“ blicken wir auf eine sehr gelungene und erfolgreiche antifaschistische Demonstration am 6. März 2020 zurück. Unter dem Motto „Den Faschisten keine Ruh – auf nach Schnellroda!“ ist es gelungen, einen breiten Protest auf die Beine zu stellen und auch spürbar mehr Menschen als zuletzt nach Schnellroda zu mobilisieren. So waren ganz unterschiedliche regionale Initiativen beteiligt und bis zu 200 Menschen vor Ort. Diese beiden Faktoren bedingen sich aus unserer Sicht: Durch die breite Aufstellung des Protestes haben sich auch mehr Menschen den Faschist*innen widersetzt.
Am Tag selbst gab es dann neben zwei dauerhaft besetzten Infoständen den klassischen Demonstrationszug, davor allerdings auch noch eine Blockade vor dem Gasthof „Zum Schäfchen“ (Veranstaltungort der Rechten). Letzteres wurde zum ersten mal in Schnellroda versucht und brachte den Protest noch einmal näher an den Ort faschistischer Ideologieproduktion. Auf der Demonstration selbst gab es dann einige Redebeiträge, die sich mit dem Rechtsruck, der tödlichen Abschottung an den europäischen Außengrenzen, dem Rechtsterrorismus und den eingeladenen Faschisten des Flügels beschäftigten. Die bereits online verfügbaren Beiträge verlinken wir unter dem Bericht.

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Rückblick – #sr1101

Als Kollektiv “IfS dichtmachen” wollen wir uns zuerst bei allen Teilnehmer*innen an unserer antifaschistischen Demonstration in Schnellroda bedanken – insbesondere bei denen, die direkt aus dem Ort der näheren Umgebung kommen und mit rechtsextremen Umtrieben in Schnellroda Tag für Tag konfrontiert sind. Darüber hinaus bedanken wir uns vielmals bei allen Antifaschist*innen, die aus der Gegend, von weiter weg angereist sind oder die Demonstration im Vorfeld beworben haben. Gemeinsam beweisen wir bei jeder Demo, dass Schnellroda eben kein ruhiges Hinterland für den Faschismus ist, der auf den Akademien vertreten wird.

Und die Reaktionen aus dem “IfS”-Umfeld haben dann auch gezeigt, wie aggressiv die Faschist*innen auf unseren Widerstand reagieren. Schon vor Beginn unserer Demonstration konnten sich die Rechtsextremen nicht zurückhalten und spamten Twitter mit offensichtlich dreist gelogenen Behauptungen zur Teilnehmer*innenzahl und mit menschenverachtenden Kommentaren zu. Dazu lässt sich generell sagen, dass man im “IfS”-Umfeld schon lange jegliche Hemmung fallen gelassen hat. Während der Demonstration wurde gelogen und verhetzt, nach der Demonstration wurde der klassische rechte Opfermythos ausgepackt. Es wurde gejammert, wir hätten Kubitschek “töten”, die Autos der Teilnehmer*innen anzünden, das Verlagsgebäude stürmen wollen. Zu dem seitenlangen Gejammere kam dann noch der Beitrag von Kubitschek höchstselbst: Er lässt die Öffentlichkeit wissen, dass unser Protest ihm egal ist – deshalb widmen sich 8 von 13 Absätzen seiner Nachbetrachtung unserer Demo und auch er weist natürlich darauf hin, dass wir faktisch kriminell wären. Das beweist wieder einmal, dass Kubitschek und Co. keinen Anlass brauchen, um erst brutale Feindseligkeiten rauszuposaunen und dann trotzdem über “linksextremistische Gewalt” zu fabulieren.

Das ist leider nicht nur mit der bekannterweise mangelhaften Lesekompetenz des “IfS” zu erklären, die auch mit dem Akademie-Thema “Lesen” offensichtlich keine Fortschritte gemacht hat, sondern ist einfach die rechtsextreme Strategie: Gegen den “Volksfeind” soll jedes Mittel recht sein und wenn die Lüge der “linksextremistischen Gewalt” verfängt, dann kann der Wahrheitsgehalt egal sein. Gegen ihre Lügen und ihre Hetze hatten wir in Schnellroda eine Demo, die laut, bestimmt und mit Inhalten (bspw. von der Antifaschistischen Herzigkeit oder vom Domstraße e.V.) gefüllt war. Wir wollen auf diesen Erfolg aufbauen und hoffen, mit euch zusammen dem “IfS” weiter den Raum zu nehmen, um es letztendlich dichtzumachen.

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Felix Dirsch – Infotext

Um sich des eigenen intellektuellen Anstrichs zu versichern, versucht das “Institut für Staatspolitik” immer wieder auch Menschen zu den “Akademien” zu bekommen, die ihre rechtsextreme Propaganda mit einem professoralen Titel begleiten. Im Fall dieser “Winterakademie” hat es aber mal wieder nur für einen alten Bekannten gereicht: Mit Prof. Dr. Felix Dirsch (nach eigenen Angaben Professor, weil er Blockveranstaltungen an einer armenischen Universität machen würde [1]) spricht jemand über “Abendländisches Denken”, der bereits bei der “Herbstakademie” in Österreich auftreten durfte und mehrere Artikel für die Sezession geschrieben hat. Auch seine Bücher über “rechtes Christentum” sind schon im einschlägig rechtsextremen “Ares-Verlag” erschienen [2], weshalb seine Agenda klar sein dürfte: Die Christ*innen, die ihm nicht nationalistisch genug sind und wegen Nächstenliebe oder Barmherzigkeit niemandem im Mittelmeer ertrinken lassen wollen (in seinen Worten: nicht anerkennen, dass “Jesus treu zu seiner Heimat stand” und eine “globalistisch-universalistische Agenda vertreten”), hätten das Abendland wohl nicht verstanden. [3] Wie klar seine Position auf der faschistischen IfS-Linie liegt, zeigt auch Dirschs Rezension von “Douglas Murray: Der Selbstmord Europas”, in der für den Fall einer vermeintlich weiteren “Islamisierung” das Auswandern nach Osteuropa empfiehlt. [4] Der Grund, warum Dirsch mitmacht, liegt also nicht in originellen Ideen. Vielmehr versuchen Kubitschek und Co. ganz Konsumenten-gerecht, für jede reaktionäre Splittergruppe etwas anzubieten, um relevant zu bleiben. Dirsch steht dementsprechend nicht als Referent dort, sondern als Vertreter rechtsextremer Katholik*innen, deren menschenfeindlichen Unmut er als Mitglied eines “Tempelritterordens” [5] und Theologe authentisch ausdrücken soll.

 

Verweise:

[1] https://web.archive.org/web/20200107155018/http://www.felix-dirsch.de/uebermich.html
[2] https://threadreaderapp.com/thread/1183264082792800257.html
[3] https://web.archive.org/web/20200107155117/https://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/gegen-eine-einseitige-politisierung.html
[4] https://web.archive.org/web/20200107155652/https://sezession.de/58610/douglas-murray-der-selbstmord-europas-immigration-identitaet-islam
[5] https://web.archive.org/web/20200107155748/https://omct-templerorden.de/Kontakt.html

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Aufschlagen, nachschlagen, zuschlagen – vom Buch zum rechten Terror

Am 11.01.2020 gehen wir als Kollektiv “IfS dichtmachen” wieder in Schnellroda (Saalekreis) auf die Straße. Wir werden erneut gegen die selbsternannte “Winterakademie” des “Instituts für Staatspolitik” (IfS) demonstrieren und unseren antifaschistischen Widerstand gegen ihre faschistische Propaganda deutlich machen.

Denn wie gefährlich das IfS tatsächlich ist, spiegelt sich nicht zuletzt in den Produkten des angeschlossenen Antaios-Verlages wider. Das Verlagsprogramm macht deutlich, dass die pseudo-intellektuelle Beschäftigung mit völkisch-esoterischen Wahngebilden wie dem “Großen Austausch” oder der “ethno-kulturellen Identität” leider nicht folgen- oder tatenlos bleibt. Tatsächlich werden bei Antaios Bücher verlegt und übersetzt, die die Rechtsterroristen der vergangenen Jahre und Monate entweder direkt inspiriert oder ihre zentralen Begrifflichkeiten popularisiert haben. So hatte der Massenmörder von Christchurch eben nicht nur eine rassistische Grundhaltung, sondern war explizit Anhänger der von der “Neuen Rechten” vertretenen Verschwörungstheorie des “Großen Austausch”. Er glaubte an einen festen Plan zum Austausch der Europäer*innen – und er wähnte sich deshalb im Krieg.

Und die vermeintliche Bestätigung dafür können sich alle gewalttätigen Faschist*innen bei Antaios abholen: Deshalb wird mit Renaud Camus “Revolte gegen den Großen Austausch” dort das zentrale Buch dafür verlegt. Ähnliches gilt für einen mutmaßlich Helfer des Mördes von Walter Lübcke, der dessen Namen im vom Antaios verlegten Pirincci-Buch markierte. Oder möglichen Fans von Anders Behring Breivik, dessen Idol mit dem Blogger “Fjordman” ebenfalls in Kubitscheks Verlag zu finden ist.

Wir sehen also: Das IfS gibt sich vielleicht als “Denkfabrik” und hat dementsprechend auch das Thema “Lesen” für die diesjährige Akademie gewählt, ist aber eine Fabrik der Gewalt. Die “Neue Rechte” behauptet, gewaltlos lesen zu wollen, verbreitet aber tödliche Ideologie. Die völkischen Traktate von Kubitschek, Semlitsch und Kaiser stehen nicht im luftleeren Raum – sie sollen Anleitung zur Errichtung einer faschistischen Ordnung sein und es gibt zu viele Menschen, die schon jetzt zur Tat übergehen.

Deshalb wollen wir in Schnellroda, einem Zentrum dieser “Neuen Rechten”, dem etwas entgegensetzen. Wir lassen nicht zu, dass sie ihre menschenverachtende Politik hier verbreiten können. Wir kämpfen gegen die Ideologie des rechten Terrors und freuen uns auf viele solidarische Antifaschist*innen am 11.01.2020!

Ablauf:

  • 12.30 Uhr – Anreise  -> Schnellroda
    • Halle/Saale Hbf – Ernst-Kamieth-Straße
  • 13 Uhr Mahnwachen in Schnellroda
    • Oberdorf/Müchelstraße
    • Oberdorf/Lindenstraße
  • 14.30 Uhr Demo
    • Start: Straße der LPG/Oberdorf
  • 16.30 Uhr Rückfahrt -> Halle/Saale

Facebook: https://www.facebook.com/events/2952944621416806/

 

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Redebeitrag Eisleben 01.11.2019

Liebe Demonstrant*innen,

Mansfeld-Südharz hat ein Nazi-Problem. Hier gibt es Reichsbürger, die mit dem MDR zusammen Parties ausrichten. Nazi-Übergriffe, Kameradschaften und eine AfD, die zwischendurch stärkste Kraft wird. Und hier hatte der Terrorist und Mörder von Halle seinen Lebensmittelpunkt – wie Experten zurecht gesagt haben: In einer rechtsextremen Erfahrungswelt. Alexander Gauland wird sich hier also pudelwohl fühlen und kann hier unbesorgt zur Jagd auf Andersdenkende aufrufen.

Währenddessen wird er sich in TalkShows und Gastbeiträgen wieder so zeigen, wie er es in den letzten Jahren immer getan hat: Als biederer älterer Herr mit Bismarck-Faible, ganz konservativ, aber auch ganz harmlos. Er hat mit Unterstützung naiver, verantwortungsloser oder einfach rechter Journalist*innen das geschafft, was man in Schnellroda noch versucht: Die vermeintlich akademische und seriöse Ausstrahlung über die eigene faschistische Ideologie hinwegtäuschen zu lassen. Dabei ist es genauso klar, für was ein Gauland steht. Er ist Geschichtsrevisionist durch und durch, bewundert den Heldenmut der Wehrmacht und hält NS-Gedenken für Vogelschiss, während er in Richtung 1000 Jahre Deutschland marschiert.

Trotzdem werden auch nach dem Terroranschlag die Abgrenzungsmechanismen weiter versagen. Einige werden sich einbilden, man wolle Gauland im Gespräch stellen. Andere werden denken, sie haben ja die besseren Argumente als die Faschist*innen. Was aber Journalisten oder Politiker, die mit Gauland reden oder ihn einladen, tatsächlich tun, ist seine brutale, deutsch-nationale Ideologie zum Teil von Diskussionen zu machen. Und das ist Beihilfe, damit muss Schluss sein!

Mit diesem liberalen Vorgehen soll auch der eigene Laden geschützt werden, der glauben muss, dass man Faschisten per TalkShow überführen könne. Einen ähnlichen Fehler konnten wir in Mansfeld-Südharz entdecken. Als der Verein Miteinander e.V. auf den rechtsextremen Alltag in Eisleben und Umgebung hinwies, wurde ihm sofort aus allen politischen Richtungen heraus Nestbeschmutzung vorgeworfen. CDU und AfD nutzten die Chance sogleich, um gegen den Verein als Ganzes zu schießen – nach dem Motto: Wer das schöne Mansfeld beleidigt, muss weg! Das zeigt die ganze diskursive Katastrophe unserer Zeit. Echte und ehrliche Demokrat*innen wollen ihren Laden verteidigen, geben aber den Rechten eine Vorlage nach der Anderen.

Hier müssen wir als Antifaschist*innen ansetzen. Wir müssen die AfD als faschistische Partei benennen. Wir müssen ihre mediale Hofierung angreifen. Wir müssen die Kritik gegenüber dem eigenen Landkreis, der eigenen Stadt stärken und immer diejenigen unterstützen, die vor Ort gegen die extreme Rechte kämpfen.

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Redebeitrag “Politik der Tat” 20.09.19

Liebe Zuhörer*innen,

wir möchten unseren Beitrag, auch in Anlehnung an das Motto der diesjährigen Sommerakademie des faschistischen Instituts für Staatspolitik, die Überschrift „Politik der Tat“ geben. Ziel ist es aufzuzeigen, welche realen Konsequenzen die in Schnellroda betriebene faschistische Ideologieproduktion hat.

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Komplize des Mörders von Walter Luebcke wohl enger in die Planungen des Mordes eingebunden war, als zuvor angenommen. Der Mörder und sein Komplize sollen sich gegenseitig radikalisiert und in ihrer Radikalisierung gegenseitig bestätigt haben. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Komplizen wurde unter anderem das Buch „Umvolkung“ von Akif Pirinccigefunden, darin gelb markiert der Name des Opfers. Die Stelle des Buches in welcher der Name genannt wurde nimmt Bezug auf einen Informationsabend zur Aufnahme Geflüchteter, den der Komplize des Täters filmte und in dessen Folge Luebcke mehrmals massiven Drohungen ausgesetzt war, die schlussendlich leider auch umgesetzt worden sind. Das Buch indem der Name Luebckes markiert wurde, erschien im hier, in Schnellroda, ansässigen Antaios-Verlag Götz Kubitscheks.

Ein weiteres von Antaios verlegtes Buch trägt den Titel „Der große Austausch“ und ist die deutsche Übersetzung des vom französischen Faschisten Renaud Camus verfassten Buches gleich Namens. Die Übersetzung besorgte der Österreicher Martin Semlitsch, Stammautor des Antaios-Verlags und enger Wegbegleiter Martin Sellners. Im März dieses Jahres erschoss eine Person im neuseeländischen Christchurch in einer Moschee über 50 Menschen und filmte sich bei der Tat. Zuvor hatte er ein Manifest online gestellt, welches, auf Deutsch, ebenfalls den Titel „Der große Austausch“ trägt. Wenig später wurde bekannt, dass Martin Sellner, ebenfalls Autor des Antaios-Verlages, eine vierstellige Summe von dem Attentäter erhielt und einen E-Mail-Austausch mit ihm pflegte.

Der ideologische Zusammenhang zu Massenmorden hat jedoch quasi eine Tradition im Hause Antaios. Im Jahre 2011 gaben der bereits erwähnte Martin Semlitsch und Manfred Kleine-Hartlage die Übersetzung „Europa verteidigen. Zehn Texte.“ Des norwegischen Bloggers Fjordman heraus. Fjordmans Texte inspirierten wesentlich das Manifest des Massenmörders Anders Breivik, der in Oslo und Utoya 77 Menschen tötete. Erwähnenswert ist, dass die Texte Fjordmans nach dem Massaker übersetzt wurden, als auch seine Bedeutung für die Weltanschauung Breiviks bekannt war.

Anhand dieser drei Beispiele sollte klar geworden sein, dass die hier in Schnellroda betriebene Ideologieproduktion nicht so harmlos und vom Tagesgeschehen entrückt ist, wie es die Inszenierung des sogenannten Instituts suggeriert. Hier verlegte Bücher bilden sowohl die weltanschauliche Basis für konkrete Taten, wie der Mord an Luebcke zeigt, reagieren auf konkrete Taten, so die Übersetzung der Texte Fjordmans oder interagieren in einem ideologischen Feld der wechselseitigen Bezüge und ideologischen Verhärtungen: Der Massenmörder von Christchurch sah die Videos des Kopfes der österreichischen Identitären Martin Sellner und sein Manifest bezieht sich auf dasselbe Untergangsszenario, seine griffige Ausdrucksform im Titel „Der große Austausch“ findet.

Es ist daher weiterhin notwendig die sogenannten Akademien des Institut für Staatspolitik in den Blick zu nehmen, da hier etwa 150 meist junge faschistische Kader ideologisch geprägt werden und, dies sei ebenfalls erwähnt, die oben genannten Bücher des Verlags hier niedrigschwellig käuflich erwerben können.

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Radiobetrag – „IfS dichtmachen“ Proteste und aktuelles zur „Neuen“ Rechten

Seit 2003 befinden sich in dem kleinen Dorf Schnellroda im Saalekreis der Antaios Verlag und das sogenannte „Institut für Staatspolitik“. Seitdem leben in dem Ort auch Götz Kubitschek und Ellen Kositza. Kubitschek kommt ursprünglich aus Schwaben und arbeitete lange Zeit mit bei der rechten Zeitung „Junge Freiheit“. Anfang der 2000er nutzte er dann die Möglichkeiten der ostdeutschen Provinz, vielleicht kann man das so sagen, und baute in ebenjenem Schnellroda den Verlag und das IfS auf. Die Redaktion hat sich mit Lukas Wanke über den aktuellen Stand der Neuen Rechten und der „IfS“ und über die Demo am 20.09. in Schnellroda unterhalten.

„IfS“ Dichtmachen – Proteste und aktuelles zur Neuen Rechten und „IfS“

https://www.freie-radios.net/97234

 

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