Bericht zum antifaschistischen Protest in Schnellroda am 11. Juli 2026

Am Samstag, den 11. Juli 2026, fand zum wiederholten Mal das sog. „Sommerfest“ des Antaios-Verlags in Schnellroda statt. Der rechtsextreme Buchverlag von Götz Kubitschek ist bereits seit Anfang der 2000er in dem grob 250 Einwohner*innen zählenden Dorf in Sachsen-Anhalt, ca. 40 Autominuten von Halle (Saale), ansässig. Bis zur Selbstauflösung im Jahr 2024 noch an die neurechte Denkfabrik „Institut für Staatspolitik“ (kurz IfS) angegliedert, finden die Sommerfeste nun unter der Trägerschaft der „Menschenpark UG“ statt, der Nachfolgeorganisation des IfS. Die Sommerfeste dienen der Vernetzung von hochrangigen Rechtsextremist*innen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerdem finden mehrmals im Jahr sog. „Akademien“ statt, bei denen die Bildung von rechts für junge Menschen unter 35 im Mittelpunkt steht. Bei diesen Veranstaltungen teilen sich wichtige Akteure der Neuen Rechten das Rednerpult mit Professoren und AfD-Politiker*innen, was diese Zusammenkünfte besonders gefährlich macht. Gemessen an der Bedeutung für die rechte Szene und deren Zusammenarbeit mit dem akademisch-rechtskonservativen Milieu, erhalten die Vorgänge in Schnellroda schon immer zu wenig Aufmerksamkeit.

Seit 2016 organisieren wir Proteste gegen die verschiedenen Feste und Akademien. Diese finden meist gleichzeitig im Verlagshaus, welches an den Privatwohnsitz der Kubitscheks angegliedert ist, sowie im Gasthaus „Zum Schäfchen“ statt. Zwischen den Gebäuden liegen nicht mehr als fünf Gehminuten. In diesem Jahr begann der Protest gegen das Sommerfest bereits um 10 Uhr am Vormittag mit einer Kundgebung vor dem Haus des Antaios-Verlags. Zu dieser sollte ursprünglich der Adenauer-Bus des „Zentrums für politische Schönheit“ dazustoßen, welcher trotz vorheriger ordnungsgemäßer Anmeldung mit der fadenscheinigen Begründung dass die „Betriebserlaubnis der Aufbauten erloschen sei“ auf der Landstraße vor Schnellroda von der Polizei gestoppt und dort bis zum Abend festgehalten wurde (https://www.mz.de/lokal/merseburg/polizei-stoppt-bus-des-zentrums-fur-politische-schonheit-auf-dem-weg-zur-gegendemonstration-4284108). 

So wurde die erste morgendliche Kundgebung von der Polizei zwar beschränkt, allerdings konnten die Teilnehmer*innen dennoch deutlich machen, dass die Faschist*innen nicht ungestört agieren konnten, was u.a. Götz und seinen Sohn Wieland Kubitschek dazu brachten, nicht nur zu beleidigen und zu pöbeln, sondern auch von der Polizei ultimativ zu verlangen, Gegenprotest und kritische Berichterstattung mögen sofort entfernt werden. Wieland Kubitschek ist in Wien wohnhaft und dort ein aktiver Teil der „Identitären Bewegung“, wo er dafür zuständig ist Nachwuchs anzuwerben und die Vernetzung der (neu-)rechten Szenen Deutschlands, Österreich und der Schweiz voranzutreiben. Er ist gewaltbereit und zieht auch mal einem Kameraden eine Glasflasche über den Schädel, in dem Glauben dabei handele es sich um eine antifaschistische Person – so geschehen auf einer Demonstration der „Identitären“ in Wien im Jahr 2023 (https://blogs.taz.de/wienblog/2024/01/06/wie-sich-goetz-kubitschek-zweimal-in-wien-blamiert-hat-teil-i/). Vielleicht war auch dieser Vorfall der Grund, weshalb sich Wieland Kubitschek dazu entschloss, mit Kampfsporttraining zu beginnen. Die Trainings finden in der Wiener Josefstadt statt, in einem Keller den die „Identitäre Bewegung“ auch für Kampfsportevents nutzt, Kubitschek nahm zuletzt an einem dieser Kämpfe selbst teil. (https://www.oera.eu/2026/03/identitarer-kampfsport-im-garage-boxing-in-der-josefstadt/)

Der Hauptprotest versammelte sich daher gegen 14 Uhr am eingegitterten Kundgebungsort vor dem Gasthaus „Zum Schäfchen“, wo ein Teil des rechtsextremen Sommerfests stattfand. Für die Demonstrant*innen, die aus der unmittelbaren Region selbst kamen sowie aus Halle und Leipzig mit Bussen anreisten, bot sich bei Ankunft am Versammlungsort der für Schnellroda übliche Anblick auf das Schaulaufen völkischer Aktivist*innen, die mit militärischen Outfit, strammen Scheiteln und (deutlich seltener) Trad-Wife-Ästhetik durch das Dorf patrouillierten und versucht, den Gegenprotest zu belagern, zu stören und zu bedrohen. Diese Absicht wird von der Polizei immer wieder unterstützt, da die antifaschistischen Versammlungen eingegittert werden, um den Sommerfest-Besucher*innen die maximale Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, die zum Kampf gegen Andersdenkende nutzen (erwartbarer Weise). Der Anblick von komplett vermummten Rechtsextremen, die auf ihrer Seite des Zauns völlig ungestört agieren können, ist immer wieder absurd. Das übliche Beleidigen, in die Transparente schlagen und Luftballons zerstören durfte seitens der Rechten natürlich nicht fehlen.

Dennoch gelang es den bis zu 300 Demonstrant*innen gegen die extreme Rechte einen stabilen Protest auf die Beine zu stellen, die faschistischen Angriffe deutlich zurückzuweisen und zu übertönen und ein klares Zeichen dafür zu setzen, dass es kein ruhiges Hinterland gibt. Dazu gab es unter anderem Redebeiträge von den Bündnissen Leipzig nimmt Platz, der Initiative Rosalinde, der Gruppe AfD-Verbot jetzt!, der VVN-BdA Sachsen-Anhalts und von Maximal.demokratisch. In den genannten sowie in einigen weiteren Redebeiträgen wurde die Vereinnahmung von ländlichem Raum sowie der Rechtsruck allgemein in Sachsen-Anhalt thematisiert und in diesem Zuge die Relevanz von antifaschistischer Arbeit in der Provinz hervorgehoben. Anschließend wurde sich als nun großer Demozug in Richtung des Adenauer-Busses begeben, um sich so solidarisch mit diesem zu zeigen, da den Aktivist*innen vom „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) ja die Einfahrt nach Schnellroda verwehrt wurde. Die dortige Zwischenkundgebung war kurz und kraftvoll, nach heftiger Kritik am Vorgehen der Polizei ging es zurück ins Dorf, wobei noch ein zweites Mal an den beiden Orten des Sommerfestes vorbeigezogen wurde.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen – auch dafür, dass sie mit uns durch das Dorf und dann auch noch zum Adenauer gezogen sind, um sich gemeinsam solidarisch gegen Repression zu zeigen. Natürlich bedanken wir uns auch bei den Aktivist*innen des ZPS und wie immer bei KLinke und Merseburg für Vielfalt und Zivilcorauge für die wie immer hervorragende Versorgung. Mit 300 Menschen und der bundesweiten Aufmerksamkeit für das skandalöse Vorgehen gegen den Adenauer haben wir eine neue Meilenstein auf dem gemeinsamen Weg erreicht, das IfS bzw. seine Nachfolgestrukturen endlich dichtzumachen! Wieso das unbedingt, notwendig ist, wird auch mit Blick auf das Programm deutlich. Das werden wir in einem zusätzlichen Beitrag noch einmal genauer beschreiben.

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Schnellroda & die AfD

Dass die Strukturen rund um Kubitschek im Wesentlichen von der AfD bzw. deren Parlamentsbudgets bezahlt werden, wird allein mit Blick auf den früheren IfS-Direktor (und jetzt Chef der Nachfolgerfirma) Erik Lehnert deutlich, der sein Geld als „Grundsatzreferent“ bei der Landtagsfraktion in Brandenburg verdient.

Der Landtag von Brandenburg zahlt also dafür, dass Lehnert weiterhin dieselben Einführungsvorträge bei den Akademien hält, wie er es seit 20 Jahren tut. Auch der „Star-Autor“ Benedikt Kaiser (Politisierung: Nationale Sozialisten Chemnitz) finanziert sich nicht durch seine Bücher, sondern durch die Arbeit beim Bundestagsabgeordneten René Springer.

Auch bei dem kommenden Sommerfest des Verlag Antaios zieht sich der Fokus auf die AfD durch. Neben einem Podium für offen antisemitische YouTube-Shitposter, die inzwischen zum festen Autoren- und Kundenstamm von Kubitschek gehören, gibt es sonst vor allem Formate, die sich rund um die faschistischen Machteroberungspläne drehen und von AfD-Prominenz besetzt werden.

Zu nennen ist hier etwa der Burschenschafter Torben Braga aus Thüringen, der die Antaios-Ausgründung „Jungeuropa-Verlag“ unterstützt, bei dessen letzten Treffen auch NSU-Unterstützer zugegen gewesen sind. Er hat Karriere in Höckes AfD-Landesverband gemacht, posiert mit Symbolen der faschistischen Bewegung und will im Sinne seines völkischen Engagements, dass die AfD die Macht in Thüringen übernimmt.

Dass man dafür jede demokratische Erinnerungskultur in die Tonne schmeißen muss, darüber diskutieren Stefan Scheil und Dominik Kaufner. Scheil ist AfD-Lokalpolitiker und bei den Veranstaltungen in Schnellroda zuständig für Geschichtsrevisionismus. Ganz in der Tradition neonazistischer Organisationen möchte er die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg nivellieren, sinniert über die Verantwortung der anderen und kämpft gegen eine vermeintliche Dämonisierung des mörderischen deutschen Faschismus. Kaufner ist ebenfalls völkischer Burschenschafter und AfD-Landtagsabgeordneter in Brandenburg, der immer wieder durch offensive Verherrlichung deutscher Gewaltgeschichte auffällt. Er gehört als „Alter Herr“ der „Berliner Burschenschaft Gothia“ schon seit Jahren faschistischen Strukturen an und wird mit Scheil zum wiederholten Male um die „richtige“ Schwerpunktsetzung beim Geschichtsrevisionismus „diskutieren“ – eine Kontroverse ist das aber natürlich nicht.

Absurderweise werden der Chef der Generation Deutschland Jean-Pascal Hohm und der deutsche IB-Chef Maximilian Märkl unter dem Titel „Arbeitsteilung!“ über das Verhältnis von AfD und faschistischem Vorfeld sprechen. Das ist dahingehend absurd, dass auch Märkl AfD-Mitglied war und dann pro forma ausgetreten ist, als das bekannt wurde. Damit sollte formal der Unvereinbarkeitsbeschluss mit faschistischen Gruppen erfüllt werden, was im Endeffekt aber nur ein Theater für wenigen Beobachter*innen darstellt, die am Ende glauben, irgendwelche Abgrenzungsbehauptungen der AfD wären mehr Wert als das Papier, was dafür genutzt wird.

Sie bezeichnen die Zusammenarbeit zwischen Faschist*innen innerhalb und außerhalb der Partei als „Arbeitsteilung“, wissen aber, dass faktisch gar nichts geteilt wird. Es gibt eine gemeinsame völkische Ideologie und ein gemeinsames Vorgehen und jede Person, Behörde oder jedes Medium, was hier an eine inhaltliche Trennung glaubt, beteiligt sich an der versuchten Immunisierung völkischer Putschist*innen.

Auch die Besetzung anderer Podien ist bekannt und AfD-lastig: So wird Ellen Kositza mit Susanne Dagen, Initiatorin der faschistischen Buchmesse in Halle/Saale und Mitglied der AfD-Fraktion im Stadtrat von Dresden, sprechen und Martin Sellner wird wie bei nahezu jeder Veranstaltung in Schnellroda seine rassistischen Remigrationsfantasien als großen Coup der extremen Rechten verkaufen. Auch er ist trotz aller vermeintlicher Distanzierungen regelmäßig Ehrengast bei AfD-Politiker*innen – so wurde er z.B. in den Thüringer Landtag eingeladen.

Wenn er auf dem Podium mit Manfred Kleine-Hartlage diskutiert, ist das für ihn auch ein Weg zu seinen Ursprüngen: Während Sellner seine politische Karriere beim Holocaust-Leugner Gottfried Küssel und mit dem Anbringen von Hakenkreuz an Synagogen begonnen hat, setzt sich Kleine-Hartlage mit großem Engagement dafür ein, dass die Leugnung des Holocausts endlich nicht mehr zu bestrafen wäre und dass die „unaufhörliche deutschfeindliche Propaganda“ des Zentralrats der Juden ihr Ende finde. 

Schnellroda zeigt also, was noch alles in der AfD gedacht wird und dass es zwischen der Partei und den Vordenker*innen des völkischen Mobs keinerlei Differenz gibt. Es zeigt aber auch, was die extreme Rechte von einer AfD an der Macht erwartet. Es geht neben (und damit auf das Engste zusammenhängend) übelsten rassistischen Gewaltaktionen auch um die Revision von 1945, um eine deutsch-faschistische Traditionslinie, die ganz bewusst auf den Bruch verzichtet, den die „Neue Rechte“ aus Marketing-Gründen immer mal wieder behauptet hat.

Das Programm des faschistischen Sommerfestes ist also einmal mehr ein Grund, deutlich zu machen, dass die völkischen Strukturen in Schnellroda zerschlagen werden müssen!

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Pressemitteilung zum Protest am 11. Juli

Am 11. Juli wird in Schnellroda gegen ein überregionales faschistisches Vernetzungstreffen demonstriert

Am 11. und 12. Juli treffen sich rund 600 extrem rechte, völkische und antidemokratische Akteur*innen aus den Reihen der AfD, der Burschenschaften, von Nazi-Kameradschaften und aus dem rechtsbürgerlichen Kontext in dem Dorf Schnellroda (Steigra/Saalekreis), um es in Beschlag zu nehmen. Dagegen protestiert seit fast zehn Jahren das Kollektiv IfS dichtmachen. Auch dieses Jahr wird das sogenannte „Sommerfest“ des faschistischen „Verlag Antaios“ nicht unkommentiert gelassen und es wird am 11. Juli ab 14 Uhr in Schnellroda vor der Gaststätte „Zum Schäfchen“ zum Protest aufgerufen.

„Es ist nicht hinnehmbar, wenn 600 extrem Rechte aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen und ein Dorf im Saalekreis nutzen, um ihre Hasspropaganda zu verbreiten und völkische Umsturzpläne voranzubringen. Gerade in Zeiten der Faschisierung ist es umso wichtiger, die Zentren der extremen Rechten, von denen auch die faschistische AfD profitiert, mit Widerspruch und Protest zu konfrontieren.

Als Kollektiv IfS dichtmachen laden wir alle Antifaschist*innen dazu ein, gemeinsam mit uns und vielen anderen gegen rassistische Remigrationsfantasien, die Abschaffung der Demokratie und völkische Umsturzversuche zu demonstrieren und ein starkes Zeichen für demokratische, weltoffene und solidarische Werte zu setzen“, erklären dazu die Organisator*innen.

Hier finden sich der gesamten Aufruf zum Protest und Hinweise zur Anreise aus Halle und Leipzig: https://ifsdichtmachen.noblogs.org/gegen-das-fascho-sommerfest/

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Neonazi-Treffen in Thüringen: Antaios, Jungeuropa, Nius und NSU-Unterstützer

In der Nähe von Altenburg fand am 2. Mai ein faschistisches Treffen des „Jungeuropa-Verlags“ (JV) statt. Der Verlag ist praktisch eine Ausgründung aus dem Umfeld der um Schnellroda gruppierten „Neuen Rechten“ (1). Etliche Autoren des JV schreiben auch für den „Verlag Antaios“ von Götz Kubitschek, sind auf zahlreichen anderen extrem rechten Plattformen vertreten und arbeiten für die AfD bzw. pflegen engste Kontakte mit AfD-Spitzenpolitiker*innen.

Das sehen wir auch bei den Referenten, die im Programm angekündigt wurden. Volker Zierke, den wir in unserem letzten Text behandelt haben (2), und Benedikt Kaiser („Nationalen Sozialisten Chemnitz“) sollten dort die Intellektuellen markieren, wobei Kaiser letztlich ein von der AfD bezahlter Dauerschreiber ist, der eine inhaltliche Tiefe suggerieren soll, welche bei nährerer Betrachtung seiner Texte aber nicht mehr zu finden ist. Kaiser ist natürlich langjähriger Antaios-Autor.

Auch angekündigt wurde Philip Stein, was vor dem Hintergrund albern ist, dass Stein den Verlag gegründet hat und selbst Multifunktionär in der „Neuen Rechten“ ist. Er war Pressesprecher der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), deren weitere Faschisierung er betrieben hat, außerdem Funktionär der „Identitären Bewegung“ (IB) und Leiter von „Ein Prozent für unser Land“, wo er u.a. Geld für rassistische Leuchtturmprojekte der Faschist*innen sammeln wollte (3). Im Zuge seiner ständigen Funktionsübernahmen wurde er dann auch zum JV-Gründer, zu dem einige Antaios-Autoren geschickt wurden, um sich noch einmal jung und unverbraucht zu geben.

Andere Schnellroda-Funktionäre haben vielleicht keinen eigenen Verlag, aber dafür wenigstens eine eigene Zeitschrift bekommen: So versucht Jonas Schick mit seinem Projekt „Die Kehre“ sich an einer völkischen Ökologie, die fehlende Faktenorientierung mit Esoterik wettzumachen sucht, um an das heiße Thema – also die Realität der Klimakatastrophe und die rechte Leugnung dieser – nicht rangehen zu müssen.

Für die deutsche Vergangenheit ist bei dem Treffen wohl der AfD-Politiker Stefan Scheil zuständig, der wenig überraschend ebenfalls ein Dauerabo für Schnellroda hat. Bei ihm geht es darum, dass das Deutsche Reich 1939 den Vernichtungskrieg gar nicht wirklich gewollt habe und eigentlich ja auch die Überfallenen Schuld tragen würden. Diese klassische Geschichtslüge macht Scheil zu einer wichtigen Person – zumindest in der Szene des rechtsradikalen Geschichtsrevisionismus.

Auch Dušan Dostanić ist ein häufiger Gast in Schnellroda und als Faschist aus Serbien europaweit gut vernetzt. Wir haben uns bereits im August 2018 mit ihm beschäftigt, wobei sich seitdem nichts geändert hat. Damals besuchte er die Sommerakademie des Institut für Staatspolitik und es war von Folgendem auszugehen: „Identitäres Geschwurbel, beständige Vernetzung, Sympathie für die reaktionärsten Zustände und eine Lust auf die Wiederholung des historischen Faschismus: Es gibt also wenig Neues bei dieser Akademie.“ (4)

Der Referent Jörg Bernig hat mindestens sechs Bücher beim Antaios-Verlag veröffentlicht und schreibt für die Schnellroda-Zeitschrift „Sezession“. Außerdem wird er von der „Edition Buchhaus Loschwitz“ verlegt. Der Verlag gehört Susanne Dagen (war laut Berichten selbst dort), die u.a. mit Kubitschek und Co. die faschistischen „Buchmesse“ in Halle (Saale) organisiert (5). Beim JV wird sich vorgestellt, dass er zur neuen extrem rechten Literatur gehören würde, weshalb er zum Thema „Rechte Autoren und die literarische Welt“ befragt wurde.

Als weiterer angekündigter Teilnehmer ist der AfD-Politiker Zacharias Schalley (MdL in NRW) zu nennen, der bis jetzt eher unauffällig geblieben ist, allerdings aufgrund seiner extrem rechten Einstellung schon gerichtlich bescheinigt bekommen hat, dass er nicht zuverlässig genug ist, eine Schusswaffe zu besitzen. Er gehört zu den Kreisen der „Neuen Rechten“ vor allem, weil er Burschenschafter ist und als solcher Teil der faschistischen DB, die große Teile des AfD-„Vorfelds“ stellt (6). Er saß mit dem bereits erwähnten Jonas Schick auf einem Podium mit dem Titel „Technologie, Fortschritt, Konkurrenz: Wie viel Ökologie können wir uns leisten?“. Außerdem war dort Johannes Konstantin Poensgen vertreten, der ebenfalls zu den Stammgäst*innen in Schnellroda gehört und seit 2016 regelmäßig für die „Sezession“ schreibt (7).

Zuletzt ist noch Jens Winter zu nennen, der einen Erik-Ahrens-Speedrun durchzuführen scheint. Das heißt konkret, dass er – wie Ahrens – für kurze Zeit in der linken Szene aktiv war, sich hier als besonders kritisch inszenierte, um dann über einige Zwischenstationen bei offenem Faschismus anzukommen. Während Ahrens schon wieder ganz woanders ist (und selbst von sich sagt, ausgestiegen zu sein), ist Winter gerade einer der Hetzer von Nius. Den „liberal-konservativen“ Anstrich hat er allerdings schon längst abgelegt, statt um Freiheit oder „irgendwas gegen Woke-Links“ geht es Winter nur noch um das „eigene Volk“, welches z.B. im Zweiten Weltkrieg schrecklich gelitten habe. Wörtlich wirft Winter einem anderen Rechten, der die Bombardierung Dresdens unter Berücksichtigung der deutschen antisemitischen Massenverbrechen nicht besonders betonen will, vor: „Es sind Leute gestorben, Ben, unsere eigenen. Keine Soldaten. Frauen, Kinder. Dass es Leute gibt, die nur über die Opfer schreiben, liegt 80 Jahre später in erster Linie an Leuten wie dir, die nur über Täter sprechen und keine Empathie für ihr Volk besitzen.“ (Quelle: X) Stand jetzt erscheint Winters Buch noch im XS-Verlag, der sich auf Marx, Adorno und Horkheimer beruft, aber bis jetzt nicht verdächtig war, beim Dresdner „Gedenken“ mitzumarschieren.

Diese Empathie für das „eigene Volk“ konnte Winter in der Nähe von Altenburg am 2. Mai ausleben. Mit zahlreichen AfD-Politiker*innen wie mutmaßlich dem antisemitischen Burschenschafter Dominik Kaufner (8) und den üblichen Stars der „Neuen Rechten“. Die Thüringer Abgeordnete Katharina König-Preuss spricht zurecht davon, dass „circa 200 Neonazis und Vertreter extrem rechter, darunter auch militanter Strukturen“ zusammengekommen seien. Es sei „besonders alarmierend, dass an diesem bundesweiten Vernetzungstreffen nicht nur militante Neonazi-Strukturen, Unterstützer des NSU-Kerntrios und Akteure gewaltbereiter extrem rechter Netzwerke“ teilgenommen hatten, sondern ebenso „AfD-Abgeordnete und Mitarbeitende (…). Wenn sich Vertreter militanter Neonazi-Netzwerke und Abgeordnete der AfD gemeinsam treffen, darf dies keine beiläufige Randnotiz sein.“ (9) Dem ist zuzustimmen – und damit ist auch alles über die Akteur*innen gesagt, die mit keine klare Kante zeigen, wenn diese faschistische Vernetzung auftritt.

Die nächste Gelegenheit, um den gemütlichen Auftritt dieser Leute zu versauen, findet sich übrigens am 11. Juli in Schnellroda, wo der Verlag Antaios zum Sommerfest einlädt.

Verweise:
(1) https://ifsdichtmachen.noblogs.org/post/2019/03/15/zu-den-rechtsextremen-verlagen-bei-der-werkstatt-europa-16-03-2019-hallesaale/
(2) https://ifsdichtmachen.noblogs.org/post/2026/04/07/die-lieblinge-des-feuilletons/
(3) https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/rechtsextremismus-rechtspopulismus/alter-rassismus-in-neuem-gewand-die-neue-rechte/
(4) https://www.facebook.com/315928578893376/photos/du%C5%A1an-dostani%C4%87-einer-der-redner-der-sommerakademiewie-bereits-in-unserem-aufruf-/464651930687706/?_rdr
(5)
https://www.belltower.news/seitenwechsel-in-halle-blau-braune-buechermesse-an-der-saale-162953/
(6)
https://lotta-magazin.de/ausgabe/99/von-kriegern-waldgangern-und-todgeweihten-mannern/
(7)
https://www.endstation-rechts.de/news/neurechte-winterakademie-der-ostdeutschen-provinz
(8)
https://de.wikipedia.org/wiki/Dominik_Kaufner
(9)
https://www.die-linke-thl.de/aktuelles/startseite/detail/news/bundesweites-neonazistisches-vern

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Zur Verharmlosung der „Neuen Rechten“ durch unseriöse Medien

Dass manchen der Rechtsruck nicht schnell genug gehen kann – oder sie zumindest möglichst schnell davon profitieren wollen, zeigt sich derzeit an vielen Stellen in der deutschen Medienlandschaft. Ein aktuelles Beispiel stellen die Medienunternehmungen von Holger Friedrich dar, der die „Berliner Zeitung“ zu seinem Privatvergnügen umgebaut hat und nun mit der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (OAZ) eine Stimme des Ostens inszeniert. Diese selbsternannte Vertretung besteht vor allem darin, extrem rechte Positionen über Lokalkolorit salonfähig zu machen – egal, ob dessen prominenteste Vertreter*innen wie Höcke oder Kubitschek eigentlich aus dem Westen kommen und nur hier siedeln, um für ihre Ziele „vom Osten“ zu profitieren.

Dass die Neue Rechte mediale Aufmerksamkeit erhält, mit der sie meist recht gut umzugehen weiß, ist leider nichts Neues, aber derzeit auf einem neuen Höhepunkt angelangt. Die oben genannte OAZ bspw. engagierte Bernd Zeller als Journalist, der 2019 durch seine Veröffentlichung mit dem Titel „Die Sprache des Grünen Reichs“ negativ auffiel und sich offenbar immer weiter nach rechts bewegt, was u.a. daran festgemacht werden kann, dass er als Funktionär bei der faschistischen Buchmesse von Susanne Dagen auftrat, welche im November wieder in Halle stattfinden soll. Der „Ostdeutsche Verlag“, in dem die OAZ erscheint, war letztes Jahr bei der Halleschen Buchmesse ebenfalls mit einem eigenen Stand vor Ort (1).

Einen weiteren Peak erreichte die BZ-Journalistin Sophie-Marie Schulz, als sie sich darum bemühte, von einem vermeintlich nicht-rechten Standpunkt aus für Verständnis zu werben. So schrieb sie über die Buchmesse in Halle, bei der ganz offen zahlreiche Neonazis unterwegs waren, dass dort das „Gefühl der Zensur“ die Leute zusammengebracht habe und es dort Bücher gäbe, die sonst „keiner lesen“ dürfe (2). Bei dem antifaschistischen Gegenprotest sieht sie selbstverständlich kein Gefühl der Bedrohung, sondern schlicht Störer*innen. Weitere Höhepunkte journalistischer Qualität sind z.B. bei Artikeln wie „Vom grünen Idealisten zum AfD-Wähler“ zu finden, der sich mehr als Ulf Poschardts inneren Monolog denn als eine ernsthafte Reportage liest (3).

Ihre Mission für mehr Verständnis für Rechte zu sorgen, verfolgt Schulz jetzt mit einem Bericht über das Filmprojekt „Meeting Götz“, welches so tut, als hätte es noch nie eine Home Story aus Schnellroda gegeben (4). Es geht dabei darum, dass Birgit Bergmann und Gregor Centner dem Faschisten Götz Kubitschek lang und breit die Gelegenheit geben, sich selbst zu verharmlosen, was damit begründet wird, dass Centner auf derselben Schule wie Kubitschek war und sich ganz anders entwickelt hätte. Und in der Tat produziert die elitäre Ravensburger Schule der beiden eine große Diversität: Der eine ist ein Faschist, der andere verteidigt ihn. Schulz prüft diese sehr deutsche Vielfalt nicht, vielmehr gibt sie den Filmemacher*innen in einem eingeordneten Interview lang und breit die Gelegenheit, sich etwa darüber zu beklagen, dass angeblich niemand bei unseren Protesten in Schnellroda mit Centner reden wollte („Später habe ich versucht, mit der Antifa zu sprechen. Sie wollten nicht. Nur die Polizisten haben sich mit mir unterhalten.“). Am Ende lässt sich der Take, der sowohl in der Berliner Zeitung als auch in der OAZ veröffentlicht wurde, weil er für die Agenda von Holger Friedrich so schön passt, darauf zusammendampfen, dass Kubitschek ja auch menschlich sei und man dessen ach so spannenden Gedanken integrieren müsste (5)

Besonders dreist ist allerdings allein der Gedanke, dass Centner behauptet, mit seinem Film irgendeinen Widerspruch in antifaschistischer Politik aufgezeigt zu haben. Centner will nicht einmal die Frage beantworten, ob Kubitschek gefährlich sei und seineangeblich progressive Einstellung ist so aufgesetzt, dass sie von Kubitscheks Plattitüden ins Wanken gebracht wird.

Denn das Drehbuch „Linker redet mit Faschist, kritisiert die Ausgrenzung durch das eigene Lager und hat bahnbrechende Erkenntnisse“ wurde in den letzten Jahren so oft gebraucht, dass es absolut lächerlich ist, den Leser*innen sowas schon wieder vorzusetzen. Wir vermuten, es gibt einigen das Gefühl, mit der Aufgabe jeglicher demokratischer Grundwerte auch noch das richtige zu tun – ein Gefühl, was OAZ/BZ, WELT und ZEIT wohl sehr gerne monetarisieren.

Verweise:
(1) https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/april/holger-friedrich-und-die-oaz-wie-ein-verleger-demokratiefeinde-hofiert
(2) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/die-verbotenen-buecher-ein-tag-auf-der-buchmesse-seitenwechsel-in-halle-an-der-saale-li.10004728
(3) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/vom-gruenen-idealisten-zum-afd-waehler-das-fuehlt-sich-an-wie-ein-schuss-ins-eigene-kniedas-sind-linksradikale-faschisten-warum-ein-frueherer-gruener-heute-die-afd-waehlt-von-den-gruenen-zur-afd-ich-setzte-mein-kreuz-an-einer-stelle-an-der-ich-mir-ins-eigene-knie-schiesse-li.2347026
(4) https://www.imdb.com/de/title/tt40573728/
(5) https://ostdeutscheallgemeine.com/article/meeting-10026892

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Die Lieblinge des Feuilletons?

Im Januar 2019 sind die drei Kameraden Philip Stein, Jörg Dittus und Volker Zierke nach Rom gereist, um an einem Aufmarsch der faschistischen Bewegung „Casapound“ teilzunehmen. Traditionell gehört der „Römische Gruß“ zu dieser Veranstaltung und so konnten sich die drei deutschen Neonazis gleich ganz befreit fühlen, denn der Bezug zum historischen Faschismus wird dort offen ausgelebt.
In Deutschland haben sich Stein, Dittus und Zierke immer wieder in Mimikry versucht: Einerseits hängt man in offen faschistischen Kreisen herum, ist im völkischen Verlagswesen beim „Verlag Antaios“ und beim „Jungeuropa-Verlag“ sowie in der „Identitären Bewegung“ als Oberfunktionär engagiert und nimmt mutmaßlich an Angriffen auf Andersdenkende teil. Andererseits möchte man dann doch vom Bürgertum anerkannt und für die eigenen Textversuche gelobt werden.
Letzteres ist Zierke jetzt gelungen – nicht, weil er sich in irgendeiner Form „gemäßigt“ hätte, sondern weil einige deutsche Journalist*innen kein Problem mehr damit haben, faschistische Agitator*innen in ihren Texten zu bewerben. So besprechen Mariam Lau (ZEIT) und Tilman Krause (WELT) nicht nur Zierkes Buch „Herrengedeck“, sondern bemühen sich auch, ihn insgesamt in ihren Diskurs aufzunehmen. In viel zu vielen Zeilen schwärmen sie davon, dass ja auch ein Rechter tiefsinnig sein kann. Zierke sei ein „Zweifler und Melancholiker“ (Lau) bzw. „Grübler auf der Suche nach Sinn“ (Krause).
Die offensichtliche Verbreitung faschistischer Propaganda wie die Menschenfeindlichkeit des Buches werden gerne ignoriert oder als aufregend-authentische oder gar verständliche Einsichten präsentiert (Krause: „Als eine Gruppe aus dem Queer-Studies-Seminar im entsprechenden Outfit durch den Caravaggio-Raum zieht, tut sich ästhetischer Abscheu kund. Doch dafür braucht man ja nicht rechtsradikal zu sein.“), die bei Lau absurderweise dazu führen, dass der Behauptung Raum gegeben wird, der Gründungskongress der AfD-Jugend in Gießen sei praktisch harmlos gewesen (Lau: „Auf viele mögen die Reden und Slogans des Gründungsparteitags bedrohlich radikal gewirkt haben. Für Zierke waren da eine Menge Floskeln, die mühsam verbergen sollten, dass es hier für die Mutterpartei schlicht darum ging, einen Jugendverband besser unter Kontrolle zu bekommen.“).
Bei so viel Bereitschaft zur Selbstaufgabe demokratischer Mindeststandards wundert es nicht, dass weder Lau noch Krause vor Augen haben, dass Volker Zierke nicht nur zu den Neonazis der IB gehört, im Umfeld von Björn Höcke an einem völkischen Umsturz arbeitet, sondern schon bewiesen hat, dass er in einer Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner bereit ist, ein Messer zu ziehen. Gerade der Kulturbereich muss sich gegen diese Selbstaufgabe endlich wehren, falls er seine eigene Freiheit verteidigen will.

Kritik an Laus Rezension: https://taz.de/Rechte-Literatur-in-der-Zeit/!6137211/
Recherche zum Aufmarsch der Casapound: https://lsa-rechtsaussen.net/roemische-gruesse-nach-deutschland/
Volker Zierke und die Gewalt: https://taz.de/Sozialstunden-fuer-Messeropfer/!5492909/
Die erwähnten Rezensionen:
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article69c11a9d8f5761671715c671/jung-maennlich-rechts-christdemokratie-bekaemen-wir-dann-von-leuten-die-nicht-wissen-wie-die-funktioniert.html
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-12/herrengedeck-volker-zierke-afd-neue-rechte-dresden

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Fascho-Sommerfest in Schnellroda? Widersetzen!

Im Juli wird höchstwahrscheinlich wieder das jährliche Sommerfest des faschistischen Verlag Antaios in Schnellroda (Saalekreis) stattfinden. Es geht zumeist von Samstag auf Sonntag und zieht bis zu 600 völkische Akvitist*innen, Burschenschafter, AfD-Politiker*innen, faschistische Funktionär*innen und militante Neonazis an.

Dort wollen sie das ca. 200 Einwohner*innen zählende Dorf in Sachsen-Anhalt in Beschlag nehmen, um angesichts des Rechtsrucks zu triumphieren, sich zu vernetzen und Propaganda zu verbreiten. Die Vernetzungstreffen in Schnellroda sind ein zentraler Kulminationspunkt für die völkische Szene geworden – hier versichert man sich der antisemitischen, rassistischen, sexistischen und queerfeindlichen Politik, vergibt Posten und nimmt Propagandamaterial, Talking Points und Kontakte mit nach Hause.

Und die Spickzettel, die Schnellroda für faschistische Funktionär*innen vorbereitet, haben es in sich: Rassistische Remigrationsfantasien, Abschaffung der Demokratie, völkischer Umsturz.

Ein erfolgreiches Treffen in Schnellroda heißt also, dass die faschistischen Strukturen bundesweit profitieren: Hier werden Menschen in die Szene eingeführt und dabei unterstützt, völkische Stützpunkte aufzubauen und durch die AfD die Faschisierung voranzutreben.

Für Antifaschist*innen gibt es also nichts zu feiern beim Sommerfest. Vielmehr gilt es, das ungestörte und gemütliche Zusammentreffen der Menschenfeind*innen unmöglich zu machen. Es ist an der Zeit, dass Schnellroda als bundesweites Problem in den Fokus genommen wird und der rechte Spuk rund um Götz Kubitschek endlich beendet wird.

Deshalb rufen wir dazu auf: Kommt im Sommer in den Saalekreis und macht deutlich, dass Schluss ist mit der Fascho-Feierei. Keine Ruhe für das Sommerfest, denn wir widersetzen uns!

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Gegen die »Neue Rechte« in Schnellroda: Dokumentation 2019

Wie schon für die Jahre 2016-2018 haben wir auch für das Protestgeschehen im Jahr 2019 eine Dokumentation angelegt, in der alle Redebeiträge, Aufrufe usw. nachgelesen werden können. Derzeit arbeiten wir an der Dokumentation von 2020-2025.

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Bericht: Protest gegen die Winterakademie des ehemaligen IfS in Schnellroda am 25.01.2026

In Schnellroda fand am Wochenende vom 23. bis 25. Januar die sogenannte „Winterakademie“ des ehemaligen Instituts für Staatspolitik (IfS) unter dem Motto der Selbstoptimierung statt. Am Sonntag fanden sich zu diesem Anlass zwischenzeitlich bis zu 100 Antifaschist*innen gegenüber dem Gasthaus „Zum Schäfchen“ ein, um gegen die Veranstaltung der Neuen Rechten zu demonstrieren. Der angemeldete Kundgebungsplatz wurde mutmaßlich über Nacht von den Teilnehmer*innen der Winterakademie mit Wasser übergossen – in der Hoffnung, die Fläche möge dadurch möglichst rutschig sein und den antifaschistischen Protest vertreiben. Hingepackt hat es von antifaschistischer Seite aus allerdings niemanden. Dafür wurde die Kundegebungsfläche vergrößert, so dass nun neben dem Gehweg, der in der Zwischenzeit gestreut wurde, auch die Straße genutzt werden konnte. 

Da sich bei eisigen Temperaturen so viele Menschen an einem Sonntagnachmittag auf den Weg nach Schnellroda machten, konnte der neu dazu gewonnene Platz gut gefüllt werden. Dank der tollen Verpflegung durch KLinke e.V. waren alle Antifaschist*innen gut versorgt mit Essen und heißen Getränken, wodurch es sich länger in der Kälte aushalten ließ. Die Ausdauer und Geduld der Gegendemonstrant*innen wurde an diesem Tag mehrfach unter Beweis gestellt. Vor allem bei Provokationen durch Besucher*innen der Winterakademie, die immer wieder die Nähe der Kundgebung suchten und größtenteils verbal, teilweise auch körperlich Antifaschist*innen angingen (an dieser Stelle soll die hohe Gewaltbereitschaft der Rechten, die in den vorangeganenen Tagen gezielt Journalist*innen und Fotograf*innen bedroht und angegriffen haben, nicht unerwähnt bleiben). Schon allein die Präsenz antifaschistischer Protestierender oder von kritischer Presse gilt den extrem Rechten als Provokation und wird gewaltsam bekämpft. Unsere Teilnehmer*innen ließen sich aber nicht beirren.

Die lokale rechte Prominenz ließ sich am Sonntag auch beim Protest blicken, mussten doch die Ortsansässigen in Form von Ellen Kositza und Götz Kubitschek sowie sein Bruder direkt an der Kundgebung in Richtung Wohnhaus vorbei. Ebenfalls mehrfach in Erscheinung trat der „IB Deutschland“-Chef Maximilian Märkl, der für seine zeitgleiche Mitgliedschaft bei der AfD sowie der Identitären Bewegung (trotz offiziellem Unvereinbarkeitsbeschluss) in jüngster Vergangenheit für ein gewisses Aufsehen sorgte. Der ebenfalls an dem Wochenende anwesende Martin Sellner war wohl Sonntag bereits abgereist.

Am Tag zuvor bildete er zusammen mit u.a. Götz Kubitschek, der „Jungen Tat“ aus der Schweiz und weiteren Faschist*innen die „Tatgemeinschaft Schnellroda“, wie das von Recherche Nord genannt wurde. Denn zahlreiche Teilnehmer der Winterakademie griffen am Samstag, also einem Tag vor dem Protest, kritische Journalist*innen an, angeführt von Götz Kubitschek. Die Journalist*innen wurden gewalttätig angegangen, Funkgeräte wurden zerstört und private Gegenstände gestohlen. Es wird wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl ermittelt. Das zeigt, wie sich die Rechten die Durchsetzung einer völkischen Hegemonie konkret vorstellen.

Beim Bedrängen der Kundgebung tat sich mehrfach eine Gruppe aus der Schweiz um Manuel Corchia und Tobias Lingg hervor, beide sind bei der bereits erwähnten neonazistischen Organisation „Junge Tat“ organisiert. Hier ließ man den Rest des Programms der Winterakademie unbeachtet, um mehrfach zu versuchen, Kundgebungsteilnehmer*innen anzugehen, was von der Polizei anfänglich ignoriert wurde. Man versuchte die Bühne, die die ansonsten sinnlose Hamburger Gitter bieten sollten, zu nutzen, um Content für das nächste Instagram-Video und die damit einhergehende Machtprojektion zu nutzen. Corchia selbst befand sich gegen Ende der Störaktion für kurze Zeit mutmaßlich in einer polizeilichen Maßnahme, was noch einmal unterstreicht, wie dringend das Bedürfnis der extremen Rechten ist, Gegenprotest zu bedrängen und zu bedrohen.

Inhaltlich wurde auch nicht viel Neues geboten, was die Teilnehmer*innen vom Überfallen der kritischen Opposition hätte abhalten können: Märkl redete über rechtes Dopamin, Sellner über „Selbstdisziplin“, die offenkunding bei der „Neuen Rechten“ wenig ausgeprägt ist und sicher werden Erik Lehnert, Götz Kubitschek und Benedikt Kaiser Vorträge recycled haben. In Schnellroda muss man sich keine Mühe mehr geben, weil der Kern woanders liegt: Es geht darum, zur Tatgemeinschaft zu gehören. So schrieb Götz Kubitschek unfreiwillig ehrlich am 26. Januar 2026 in der „Sezession“ über die Winterakademie, dass sie der Initiation neuer Kader diene. Schnellroda soll das Eingangstor zur völkischen Bewegung sein.

Bei uns kamen Redebeiträge u.a. von Halle gegen Rechts und dem Bündnis Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage, in denen sich mit den Aktivitäten des ehemaligen IfS und des Verlags Antaios auseinandergesetzt wurde. Grußworte aus Leipzig kamen u.a. von Reclaim Antifa, Leipzig nimmt Platz. Aus dem Saalekreis sprach „Maximal.demokratisch“. Am Sonntag zog die Kundgebung dann nach einigen Redebeiträgen als Demonstrationszug durch das Dorf, um laut und entschlossen deutlich zu machen, was sie von Kubitscheks Antaios Verlag, dem Schäfchen und der Winterakademie hält und um zu zeigen, dass es keine unwidersprochene Vernetzung von extremen Rechten in Schnellroda geben wird. Nach Ende der Kundgebung gegen die Winterakademie im Schäfchen machten sich viele Teilnehmer*innen auf den Weg in das ca. 30 Autominuten entfernte Schkopau (ebenfalls Saalekreis). Dort fand die zweite Kundgebung gegen das im Jahr 2020 gekaufte und heute „Villa Barbarossa“ genannte IB-Zentrum, ein Haus in dem verschiedene Aktivisten und Firmen aus dem Umfeld der Identitären Bewegung gemeldet sind (z.T. wird auch von einem Nachfolgeprojekt des IB-Hauses in Halle gesprochen). Dort machten verschiedene Lokalpolitiker*innen sowie weitere Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aus dem Raum Saalekreis ihrem Unmut darüber Luft, dass sich Rechte unwidersprochen bei ihnen ausbreiten können. Es ist die entschiedene Absicht der Aktiven, sich dauerhaft mit dem faschistischen Zentrum auseinanderzusetzen und der IB zukünftig ihr ruhiges Domizil zu vermiesen, was wir sehr unterstützen!

Quellen:
    
https://www.recherche-nord.com/gallery/2026.01.24.S.html
https://www.mz.de/lokal/merseburg/ubergriffe-auf-journalisten-bei-rechtsextremen-treffen-im-saalekreis-kritik-am-einsatz-der-polizei-4193640
https://taz.de/Rechtes-Treffen-in-Schnellroda/!6150355/
https://antifainfoblatt.de/aib143/villa-schkopau-identitaerer-rueckzugsraum
https://dubisthalle.de/nazis-die-villen-wegnehmen-identitaeres-projekt-beenden-rund-130-teilnehmer-bei-demo-in-schkopau/

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Antifa im Doppelpack: Gegen die faschistischen Zentren in Schnellroda und Schkopau!

Wenn es etwas gibt, was Faschist*innen gut können, dann ist es Selbstmitleid, der sich aber nicht als solcher zu erkennen gibt: Man beklagt die Unterdrückung des „deutschen Mannes“, aber will nicht wehleidig wirken. Man jammert über vermeintlich hohe Anforderungen, aber darf nicht unsicher sein. Man heult angesichts antifaschistischer Kritik, aber suhlt sich im gleichem Atemzug in Verbotsfantasien.

Bei den faschistischen Oberdenkern in Schnellroda drückt man das natürlich etwas gewählter aus als bei den gemeinen Incels: „Amor Fati“, also Liebe zum Schicksal, heißt es dort, in Verzerrung von Nietzsches Konzept. Konkret heißt das: Die Faschist*innen können sich beschweren, aber unterwerfen sich gleichzeitig ihrem angeblich schweren Los, Andersdenkenden und Marginalisierte zu bekämpfen und zu unterwerfen.

Um diesem Kampf besonders erfolgreich führen zu können, beschäftigt man sich bei der nächsten Winterakademie des „Verlag Antaios“ vom 23. bis zum 25. Januar mit der „Selbstoptimierung“, wozu die faschistische Schmalspurversion der „Amor Fati“ gehört. Auch sonst basiert das optimierte Selbst eines dort hinreisenden Identitären, eines Burschis oder eines AfD-Faschos meist mehr auf der demonstrativen Möglichkeit, körperliche Gewalt anwenden zu können und auf der Vorstellung, zur völkischen Elite zu gehören.

Ähnlich wenig Substanz ist von der gesamten Winterakademie zu erwarten, die wohl wie immer von Leuten wie Erik Lehnert (Mitarbeiter AfD-Fraktion Brandenburg), Benedikt Kaiser (Mitarbeiter AfD-MdB), Mario Müller (Mitarbeiter AfD-MdB), Martin Sellner (u.a. IB) und Götz Kubitschek zusammengesponnen werden wird.

Es geht aber auch nicht um den Inhalt, sondern um die Vernetzung von Ultra-Reaktionären, militanten Neonazis, AfD-Politiker*innen und anderen Faschist*innen. Dabei setzt man in Schnellroda auf die rhetorische Verrohung, die von dem „Vorfeld“ der AfD dann umgesetzt und die Breite getragen werden soll. Ein Ort dieser Umsetzung findet sich im nicht weit entfernten Ort Schkopau, wo Funktionäre der faschistischen Identitären Bewegung (IB) die „IB-Villa“ betreiben, wo sich zahlreiche, von der AfD letztlich querfinanzierte Propaganda-Agenturen angesiedelt haben.

An beiden Orten geht es darum, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und Autoritarismus im Rahmen eines faschistischen Programms zu vertreten und dafür die politische Macht zu organisieren. Was ihnen kurzfristig vorschwebt, sieht man in den USA im Trumpismus: Man feiert mordende ICE-Beamte, blickt  euphorisch auf Repression gegen Linke und Antifaschist*innen oder wünscht sich direkt einen Umsturz auf Trumps Befehl.

Aber auch wenn die selbsternannte „Neue Rechte“ sich aufgrund des Trumpismus und der AfD-Umfrageerfolge in Sachsen-Anhalt im Aufwind sieht, ist das aber noch längst kein Selbstläufer: Überall auf der Welt gehen Millionen von Menschen gegen den Faschismus auf die Straße, weisen die völkische Propaganda zurück, organisieren sich gegen Menschenfeindlichkeit und Repression.

In diesem Sinne gilt für uns auch im Jahr 2026 und gerade in Sachsen-Anhalt, dass es kein ruhiges Hinterland für Faschist*innen gibt. Deshalb rufen wir am 25. Januar nicht nur in Schnellroda zum Protest auf (12-15 Uhr), sondern fahren danach auch gemeinsam nach Schkopau (16-17 Uhr), wo wir die Kundgebung des Bündnisses Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage supporten!

Also: Kommt am 25. Januar 2026 mit nach Schnellroda und Schkopau!

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