Bericht zum antifaschistischen Protest in Schnellroda am 11. Juli 2026

Am Samstag, den 11. Juli 2026, fand zum wiederholten Mal das sog. „Sommerfest“ des Antaios-Verlags in Schnellroda statt. Der rechtsextreme Buchverlag von Götz Kubitschek ist bereits seit Anfang der 2000er in dem grob 250 Einwohner*innen zählenden Dorf in Sachsen-Anhalt, ca. 40 Autominuten von Halle (Saale), ansässig. Bis zur Selbstauflösung im Jahr 2024 noch an die neurechte Denkfabrik „Institut für Staatspolitik“ (kurz IfS) angegliedert, finden die Sommerfeste nun unter der Trägerschaft der „Menschenpark UG“ statt, der Nachfolgeorganisation des IfS. Die Sommerfeste dienen der Vernetzung von hochrangigen Rechtsextremist*innen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerdem finden mehrmals im Jahr sog. „Akademien“ statt, bei denen die Bildung von rechts für junge Menschen unter 35 im Mittelpunkt steht. Bei diesen Veranstaltungen teilen sich wichtige Akteure der Neuen Rechten das Rednerpult mit Professoren und AfD-Politiker*innen, was diese Zusammenkünfte besonders gefährlich macht. Gemessen an der Bedeutung für die rechte Szene und deren Zusammenarbeit mit dem akademisch-rechtskonservativen Milieu, erhalten die Vorgänge in Schnellroda schon immer zu wenig Aufmerksamkeit.

Seit 2016 organisieren wir Proteste gegen die verschiedenen Feste und Akademien. Diese finden meist gleichzeitig im Verlagshaus, welches an den Privatwohnsitz der Kubitscheks angegliedert ist, sowie im Gasthaus „Zum Schäfchen“ statt. Zwischen den Gebäuden liegen nicht mehr als fünf Gehminuten. In diesem Jahr begann der Protest gegen das Sommerfest bereits um 10 Uhr am Vormittag mit einer Kundgebung vor dem Haus des Antaios-Verlags. Zu dieser sollte ursprünglich der Adenauer-Bus des „Zentrums für politische Schönheit“ dazustoßen, welcher trotz vorheriger ordnungsgemäßer Anmeldung mit der fadenscheinigen Begründung dass die „Betriebserlaubnis der Aufbauten erloschen sei“ auf der Landstraße vor Schnellroda von der Polizei gestoppt und dort bis zum Abend festgehalten wurde (https://www.mz.de/lokal/merseburg/polizei-stoppt-bus-des-zentrums-fur-politische-schonheit-auf-dem-weg-zur-gegendemonstration-4284108). 

So wurde die erste morgendliche Kundgebung von der Polizei zwar beschränkt, allerdings konnten die Teilnehmer*innen dennoch deutlich machen, dass die Faschist*innen nicht ungestört agieren konnten, was u.a. Götz und seinen Sohn Wieland Kubitschek dazu brachten, nicht nur zu beleidigen und zu pöbeln, sondern auch von der Polizei ultimativ zu verlangen, Gegenprotest und kritische Berichterstattung mögen sofort entfernt werden. Wieland Kubitschek ist in Wien wohnhaft und dort ein aktiver Teil der „Identitären Bewegung“, wo er dafür zuständig ist Nachwuchs anzuwerben und die Vernetzung der (neu-)rechten Szenen Deutschlands, Österreich und der Schweiz voranzutreiben. Er ist gewaltbereit und zieht auch mal einem Kameraden eine Glasflasche über den Schädel, in dem Glauben dabei handele es sich um eine antifaschistische Person – so geschehen auf einer Demonstration der „Identitären“ in Wien im Jahr 2023 (https://blogs.taz.de/wienblog/2024/01/06/wie-sich-goetz-kubitschek-zweimal-in-wien-blamiert-hat-teil-i/). Vielleicht war auch dieser Vorfall der Grund, weshalb sich Wieland Kubitschek dazu entschloss, mit Kampfsporttraining zu beginnen. Die Trainings finden in der Wiener Josefstadt statt, in einem Keller den die „Identitäre Bewegung“ auch für Kampfsportevents nutzt, Kubitschek nahm zuletzt an einem dieser Kämpfe selbst teil. (https://www.oera.eu/2026/03/identitarer-kampfsport-im-garage-boxing-in-der-josefstadt/)

Der Hauptprotest versammelte sich daher gegen 14 Uhr am eingegitterten Kundgebungsort vor dem Gasthaus „Zum Schäfchen“, wo ein Teil des rechtsextremen Sommerfests stattfand. Für die Demonstrant*innen, die aus der unmittelbaren Region selbst kamen sowie aus Halle und Leipzig mit Bussen anreisten, bot sich bei Ankunft am Versammlungsort der für Schnellroda übliche Anblick auf das Schaulaufen völkischer Aktivist*innen, die mit militärischen Outfit, strammen Scheiteln und (deutlich seltener) Trad-Wife-Ästhetik durch das Dorf patrouillierten und versucht, den Gegenprotest zu belagern, zu stören und zu bedrohen. Diese Absicht wird von der Polizei immer wieder unterstützt, da die antifaschistischen Versammlungen eingegittert werden, um den Sommerfest-Besucher*innen die maximale Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, die zum Kampf gegen Andersdenkende nutzen (erwartbarer Weise). Der Anblick von komplett vermummten Rechtsextremen, die auf ihrer Seite des Zauns völlig ungestört agieren können, ist immer wieder absurd. Das übliche Beleidigen, in die Transparente schlagen und Luftballons zerstören durfte seitens der Rechten natürlich nicht fehlen.

Dennoch gelang es den bis zu 300 Demonstrant*innen gegen die extreme Rechte einen stabilen Protest auf die Beine zu stellen, die faschistischen Angriffe deutlich zurückzuweisen und zu übertönen und ein klares Zeichen dafür zu setzen, dass es kein ruhiges Hinterland gibt. Dazu gab es unter anderem Redebeiträge von den Bündnissen Leipzig nimmt Platz, der Initiative Rosalinde, der Gruppe AfD-Verbot jetzt!, der VVN-BdA Sachsen-Anhalts und von Maximal.demokratisch. In den genannten sowie in einigen weiteren Redebeiträgen wurde die Vereinnahmung von ländlichem Raum sowie der Rechtsruck allgemein in Sachsen-Anhalt thematisiert und in diesem Zuge die Relevanz von antifaschistischer Arbeit in der Provinz hervorgehoben. Anschließend wurde sich als nun großer Demozug in Richtung des Adenauer-Busses begeben, um sich so solidarisch mit diesem zu zeigen, da den Aktivist*innen vom „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) ja die Einfahrt nach Schnellroda verwehrt wurde. Die dortige Zwischenkundgebung war kurz und kraftvoll, nach heftiger Kritik am Vorgehen der Polizei ging es zurück ins Dorf, wobei noch ein zweites Mal an den beiden Orten des Sommerfestes vorbeigezogen wurde.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen – auch dafür, dass sie mit uns durch das Dorf und dann auch noch zum Adenauer gezogen sind, um sich gemeinsam solidarisch gegen Repression zu zeigen. Natürlich bedanken wir uns auch bei den Aktivist*innen des ZPS und wie immer bei KLinke und Merseburg für Vielfalt und Zivilcorauge für die wie immer hervorragende Versorgung. Mit 300 Menschen und der bundesweiten Aufmerksamkeit für das skandalöse Vorgehen gegen den Adenauer haben wir eine neue Meilenstein auf dem gemeinsamen Weg erreicht, das IfS bzw. seine Nachfolgestrukturen endlich dichtzumachen! Wieso das unbedingt, notwendig ist, wird auch mit Blick auf das Programm deutlich. Das werden wir in einem zusätzlichen Beitrag noch einmal genauer beschreiben.

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