IfS in die Insolvenz treiben – Rechte Ideologie einhegen

Vom 19. bis zum 21. Januar findet im sachsen-anhaltischen Dorf Schnellroda (Saalekreis) die jährliche Winterakademie des faschistischen Instituts für Staatspolitik (IfS) statt. Was dieses Mal unter dem Motto „Wirtschaft: Hegung und Entgrenzung“ stattfinden soll, verlangt wieder einmal unseren entschlossenen Widerstand. Theoretisch wäre damit alles gesagt, denn auch wenn die IfS-Akademien sich immer neue Mottos geben, ist es letztendlich immer das Gleiche. Ganz unabhängig ob das Thema „Gewalt“, „Parteienmacht“ oder eben „Wirtschaft“ lautet: Selbst wenn sich die Faschist*innen noch so intellektuell geben, ihre „Theorien“ sind platt, wahnhaft und erklären weniger ihren Gegenstand als die menschenfeindliche Ideologie der Referenten (auch dieses Jahr referieren nur Männer).

Während im September über die bösen Parteien, die das Volk spalten und die armen Nazis unterdrücken würden, gejammert wurde, wähnt sich der besorgte Schnellroda-Besucher wie zum Beispiel der Publizist Michael Wiesberg nun als Opfer der „Amerikanisierung“. Der kaut den anspruchslosen Leser*innen der Sezession das vor, womit er auch schon die Jahrzehnte davor genervt hat: Der arme Nationalstaat würde durch Großkonzerne und transnationale Netzwerke entmachtet. Ähnlich klassisch geht es mit den ehemaligen Nazi-Kameradschafter Benedikt Kaiser und dem Burschenschafter Felix Menzel weiter, die wie immer nichts Neues beitragen und deren intellektueller Anspruch wohl damit zu beschreiben ist, dass Menzel politische Gegnerinnen als „fette Qualle“ und „widerliches Etwas“ beschimpft und dafür verurteilt wurde. Auf dem Niveau bewegt sich auch Michael Beleites, der die Wettbewerbslogik in der Wirtschaft bekämpfen möchte, dafür aber kein Verständnis von Ökonomie, sondern die Suche nach Naturgesetzen hat. Seiner Vorstellung nach ist es relevant, dass es zum „Darwinismus“ eine „biologische Alternative“ gäbe. Ähnlich absurd wird das eigentliche Thema Wirtschaft von Peter Feist umschifft, dessen vermeintliche Hauptqualifikation scheinbar darin besteht, der Neffe von Margot Honecker zu sein und ansonsten dadurch aufgefallen ist, auf den Querfront-Mahnwachen ab 2014 einen „nationalen Sozialismus“ zu fordern. Wissenschaftliche Legitimation soll nun ein Prof. Dr. Lothar Fritze bieten, der über das „Marxsche Denken“ referieren wird, ohne es jemals verstanden zu haben. Das muss er auch nicht, denn als Mitarbeiter des staatlich geförderten „Hannah-Arendt-Institutes für Totalitarismusforschung“ aus Dresden ist seine Aufgabe vor allem die deutschen Verbrechen – inklusive Holocaust – zu relativieren und den Faschismus zu verharmlosen.Letztendlich lässt sich festhalten, dass das Thema hier durch jedes andere zu ersetzen wäre, denn auch bei der „Wirtschaft“ geht es nur darum, dass das „deutsche Volk“ überfremdet wird. Durch Großkonzere, durch liberalen und linken Internationalismus oder durch fehlenden Einklang mit der Natur. Das Gegenmodell dazu ist dann die „rechte Kapitalismuskritik“, die diesem das nachbarschaftliche, naturverbundene Wirtschaften im mittelalterlichen Stil entgegen setzt. Diese „Kritik“ geht an wirtschaftlichen Verhältnissen meilenweit vorbei, denn Völker, Nationalstaaten, Grenzen und Hierarchien sind nichts, was dem Kapitalismus widersprechen würde und der Hauptkonflikt liegt nicht – wie die Rechten dreist herbeilügen – irgendwie in der „Kultur“ oder der „Identität“, sondern in der Ausbeutung des Menschen. Aber um die Bekämpfung dieser geht es auch gar nicht, denn das rechte Gegenmodell sieht eben keine „amerikanischen Kapitalisten“ an der Spitze, sondern Dorffürsten wie Kubitschek und die Gewalttäter*innen aus seiner Gefolgschaft, die die Unterdrückung im völkischen Sinne neu organisieren sollen. Da es dem IfS also gelungen ist, ein Programm zu organisieren, was sogar die abgehärteten Dauer-Teilnehmer von der militanten „Identitären Bewegung“ langweilen wird, könnte man also Entwarnung geben. Leider drückt diese Winterakademie bestehende irrationale und regressive Tendenzen aus, die bekämpft werden müssen. So gibt es auch außerhalb abgeschiedener Zirkel in Schnellroda den Trend, die soziale Frage mit völkischem Pathos falsch zu beantworten. Gerade wegen ihrer Dummheit sind die IfSler*innen hier symptomatisch. Sichtbar wird das auch, wenn man die Referenten Beleites und Fritze betrachtet, die durchaus zur sächsischen Provinzelite gehören. Fritze gilt trotz seines Wahns als seriöser Wissenschaftler und Beleites war immerhin 10 Jahre lang Beauftragter für die Stasi-Unterlagen des Freistaates.

Wir haben jedenfalls viele Gründe, um am 20. Januar erneut in Schnellroda zu protestieren und die Akademie zu dem Desaster zu machen, welches sie inhaltlich schon ist. Uns geht es dabei nicht darum, dass sie in ihrer „Denkfabrik“ besonders kluge Strategien entwickeln würden, sondern darum, dass sie sich vernetzen, ihre Propaganda verbreiten und ihre Ideologie der Unterdrückung zu stärken suchen. Dagegen steht unser antifaschistischer Gegenprotest für ernsthafte Kritik an den bestehenden Verhältnissen und den konsequenten Kampf gegen ihre falsche Alternative!

IfS in die Insolvenz treiben – Rechte Ideologie einhegen!
Sonnabend, 20.01.2018, Schnellroda
Infopunkte ab 14 Uhr
Demonstration ab 16 Uhr

Anreise

Wir werden wieder mit mehreren Bussen fahren.
Erste Welle: 13:00 Uhr, ab Halle, mit Kleinbussen

Zweite Welle: 12:22 Uhr, ab Halle Hbf, 14:12 Uhr Ankunft in Karsdorf, von dort holen wir euch per Shuttle ab

Dritte Welle: 14:07 Uhr, ab Halle Hbf, 15:12 Uhr Ankunft in Karsdorf, von dort holen wir euch per Shuttle ab

Bitte meldet Euch ausschließlich über Mail (ifs-dichtmachen [ät] riseup.net) an, damit wir einen besseren Überblick haben. Dann werden Euch auch die Treffpunkte für die erste Welle etc. mitgeteilt.

Zurück geht es natürlich auf dem Weg den ihr gekommen seid.

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