Bericht: Protest gegen die Winterakademie des ehemaligen IfS in Schnellroda am 25.01.2026

In Schnellroda fand am Wochenende vom 23. bis 25. Januar die sogenannte „Winterakademie“ des ehemaligen Instituts für Staatspolitik (IfS) unter dem Motto der Selbstoptimierung statt. Am Sonntag fanden sich zu diesem Anlass zwischenzeitlich bis zu 100 Antifaschist*innen gegenüber dem Gasthaus „Zum Schäfchen“ ein, um gegen die Veranstaltung der Neuen Rechten zu demonstrieren. Der angemeldete Kundgebungsplatz wurde mutmaßlich über Nacht von den Teilnehmer*innen der Winterakademie mit Wasser übergossen – in der Hoffnung, die Fläche möge dadurch möglichst rutschig sein und den antifaschistischen Protest vertreiben. Hingepackt hat es von antifaschistischer Seite aus allerdings niemanden. Dafür wurde die Kundegebungsfläche vergrößert, so dass nun neben dem Gehweg, der in der Zwischenzeit gestreut wurde, auch die Straße genutzt werden konnte. 

Da sich bei eisigen Temperaturen so viele Menschen an einem Sonntagnachmittag auf den Weg nach Schnellroda machten, konnte der neu dazu gewonnene Platz gut gefüllt werden. Dank der tollen Verpflegung durch KLinke e.V. waren alle Antifaschist*innen gut versorgt mit Essen und heißen Getränken, wodurch es sich länger in der Kälte aushalten ließ. Die Ausdauer und Geduld der Gegendemonstrant*innen wurde an diesem Tag mehrfach unter Beweis gestellt. Vor allem bei Provokationen durch Besucher*innen der Winterakademie, die immer wieder die Nähe der Kundgebung suchten und größtenteils verbal, teilweise auch körperlich Antifaschist*innen angingen (an dieser Stelle soll die hohe Gewaltbereitschaft der Rechten, die in den vorangeganenen Tagen gezielt Journalist*innen und Fotograf*innen bedroht und angegriffen haben, nicht unerwähnt bleiben). Schon allein die Präsenz antifaschistischer Protestierender oder von kritischer Presse gilt den extrem Rechten als Provokation und wird gewaltsam bekämpft. Unsere Teilnehmer*innen ließen sich aber nicht beirren.

Die lokale rechte Prominenz ließ sich am Sonntag auch beim Protest blicken, mussten doch die Ortsansässigen in Form von Ellen Kositza und Götz Kubitschek sowie sein Bruder direkt an der Kundgebung in Richtung Wohnhaus vorbei. Ebenfalls mehrfach in Erscheinung trat der „IB Deutschland“-Chef Maximilian Märkl, der für seine zeitgleiche Mitgliedschaft bei der AfD sowie der Identitären Bewegung (trotz offiziellem Unvereinbarkeitsbeschluss) in jüngster Vergangenheit für ein gewisses Aufsehen sorgte. Der ebenfalls an dem Wochenende anwesende Martin Sellner war wohl Sonntag bereits abgereist.

Am Tag zuvor bildete er zusammen mit u.a. Götz Kubitschek, der „Jungen Tat“ aus der Schweiz und weiteren Faschist*innen die „Tatgemeinschaft Schnellroda“, wie das von Recherche Nord genannt wurde. Denn zahlreiche Teilnehmer der Winterakademie griffen am Samstag, also einem Tag vor dem Protest, kritische Journalist*innen an, angeführt von Götz Kubitschek. Die Journalist*innen wurden gewalttätig angegangen, Funkgeräte wurden zerstört und private Gegenstände gestohlen. Es wird wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl ermittelt. Das zeigt, wie sich die Rechten die Durchsetzung einer völkischen Hegemonie konkret vorstellen.

Beim Bedrängen der Kundgebung tat sich mehrfach eine Gruppe aus der Schweiz um Manuel Corchia und Tobias Lingg hervor, beide sind bei der bereits erwähnten neonazistischen Organisation „Junge Tat“ organisiert. Hier ließ man den Rest des Programms der Winterakademie unbeachtet, um mehrfach zu versuchen, Kundgebungsteilnehmer*innen anzugehen, was von der Polizei anfänglich ignoriert wurde. Man versuchte die Bühne, die die ansonsten sinnlose Hamburger Gitter bieten sollten, zu nutzen, um Content für das nächste Instagram-Video und die damit einhergehende Machtprojektion zu nutzen. Corchia selbst befand sich gegen Ende der Störaktion für kurze Zeit mutmaßlich in einer polizeilichen Maßnahme, was noch einmal unterstreicht, wie dringend das Bedürfnis der extremen Rechten ist, Gegenprotest zu bedrängen und zu bedrohen.

Inhaltlich wurde auch nicht viel Neues geboten, was die Teilnehmer*innen vom Überfallen der kritischen Opposition hätte abhalten können: Märkl redete über rechtes Dopamin, Sellner über „Selbstdisziplin“, die offenkunding bei der „Neuen Rechten“ wenig ausgeprägt ist und sicher werden Erik Lehnert, Götz Kubitschek und Benedikt Kaiser Vorträge recycled haben. In Schnellroda muss man sich keine Mühe mehr geben, weil der Kern woanders liegt: Es geht darum, zur Tatgemeinschaft zu gehören. So schrieb Götz Kubitschek unfreiwillig ehrlich am 26. Januar 2026 in der „Sezession“ über die Winterakademie, dass sie der Initiation neuer Kader diene. Schnellroda soll das Eingangstor zur völkischen Bewegung sein.

Bei uns kamen Redebeiträge u.a. von Halle gegen Rechts und dem Bündnis Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage, in denen sich mit den Aktivitäten des ehemaligen IfS und des Verlags Antaios auseinandergesetzt wurde. Grußworte aus Leipzig kamen u.a. von Reclaim Antifa, Leipzig nimmt Platz. Aus dem Saalekreis sprach „Maximal.demokratisch“. Am Sonntag zog die Kundgebung dann nach einigen Redebeiträgen als Demonstrationszug durch das Dorf, um laut und entschlossen deutlich zu machen, was sie von Kubitscheks Antaios Verlag, dem Schäfchen und der Winterakademie hält und um zu zeigen, dass es keine unwidersprochene Vernetzung von extremen Rechten in Schnellroda geben wird. Nach Ende der Kundgebung gegen die Winterakademie im Schäfchen machten sich viele Teilnehmer*innen auf den Weg in das ca. 30 Autominuten entfernte Schkopau (ebenfalls Saalekreis). Dort fand die zweite Kundgebung gegen das im Jahr 2020 gekaufte und heute „Villa Barbarossa“ genannte IB-Zentrum, ein Haus in dem verschiedene Aktivisten und Firmen aus dem Umfeld der Identitären Bewegung gemeldet sind (z.T. wird auch von einem Nachfolgeprojekt des IB-Hauses in Halle gesprochen). Dort machten verschiedene Lokalpolitiker*innen sowie weitere Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aus dem Raum Saalekreis ihrem Unmut darüber Luft, dass sich Rechte unwidersprochen bei ihnen ausbreiten können. Es ist die entschiedene Absicht der Aktiven, sich dauerhaft mit dem faschistischen Zentrum auseinanderzusetzen und der IB zukünftig ihr ruhiges Domizil zu vermiesen, was wir sehr unterstützen!

Quellen:
    
https://www.recherche-nord.com/gallery/2026.01.24.S.html
https://www.mz.de/lokal/merseburg/ubergriffe-auf-journalisten-bei-rechtsextremen-treffen-im-saalekreis-kritik-am-einsatz-der-polizei-4193640
https://taz.de/Rechtes-Treffen-in-Schnellroda/!6150355/
https://antifainfoblatt.de/aib143/villa-schkopau-identitaerer-rueckzugsraum
https://dubisthalle.de/nazis-die-villen-wegnehmen-identitaeres-projekt-beenden-rund-130-teilnehmer-bei-demo-in-schkopau/

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