Wenn es etwas gibt, was Faschist*innen gut können, dann ist es Selbstmitleid, der sich aber nicht als solcher zu erkennen gibt: Man beklagt die Unterdrückung des „deutschen Mannes“, aber will nicht wehleidig wirken. Man jammert über vermeintlich hohe Anforderungen, aber darf nicht unsicher sein. Man heult angesichts antifaschistischer Kritik, aber suhlt sich im gleichem Atemzug in Verbotsfantasien.
Bei den faschistischen Oberdenkern in Schnellroda drückt man das natürlich etwas gewählter aus als bei den gemeinen Incels: „Amor Fati“, also Liebe zum Schicksal, heißt es dort, in Verzerrung von Nietzsches Konzept. Konkret heißt das: Die Faschist*innen können sich beschweren, aber unterwerfen sich gleichzeitig ihrem angeblich schweren Los, Andersdenkenden und Marginalisierte zu bekämpfen und zu unterwerfen.
Um diesem Kampf besonders erfolgreich führen zu können, beschäftigt man sich bei der nächsten Winterakademie des „Verlag Antaios“ vom 23. bis zum 25. Januar mit der „Selbstoptimierung“, wozu die faschistische Schmalspurversion der „Amor Fati“ gehört. Auch sonst basiert das optimierte Selbst eines dort hinreisenden Identitären, eines Burschis oder eines AfD-Faschos meist mehr auf der demonstrativen Möglichkeit, körperliche Gewalt anwenden zu können und auf der Vorstellung, zur völkischen Elite zu gehören.
Ähnlich wenig Substanz ist von der gesamten Winterakademie zu erwarten, die wohl wie immer von Leuten wie Erik Lehnert (Mitarbeiter AfD-Fraktion Brandenburg), Benedikt Kaiser (Mitarbeiter AfD-MdB), Mario Müller (Mitarbeiter AfD-MdB), Martin Sellner (u.a. IB) und Götz Kubitschek zusammengesponnen werden wird.
Es geht aber auch nicht um den Inhalt, sondern um die Vernetzung von Ultra-Reaktionären, militanten Neonazis, AfD-Politiker*innen und anderen Faschist*innen. Dabei setzt man in Schnellroda auf die rhetorische Verrohung, die von dem „Vorfeld“ der AfD dann umgesetzt und die Breite getragen werden soll. Ein Ort dieser Umsetzung findet sich im nicht weit entfernten Ort Schkopau, wo Funktionäre der faschistischen Identitären Bewegung (IB) die „IB-Villa“ betreiben, wo sich zahlreiche, von der AfD letztlich querfinanzierte Propaganda-Agenturen angesiedelt haben.
An beiden Orten geht es darum, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und Autoritarismus im Rahmen eines faschistischen Programms zu vertreten und dafür die politische Macht zu organisieren. Was ihnen kurzfristig vorschwebt, sieht man in den USA im Trumpismus: Man feiert mordende ICE-Beamte, blickt euphorisch auf Repression gegen Linke und Antifaschist*innen oder wünscht sich direkt einen Umsturz auf Trumps Befehl.
Aber auch wenn die selbsternannte „Neue Rechte“ sich aufgrund des Trumpismus und der AfD-Umfrageerfolge in Sachsen-Anhalt im Aufwind sieht, ist das aber noch längst kein Selbstläufer: Überall auf der Welt gehen Millionen von Menschen gegen den Faschismus auf die Straße, weisen die völkische Propaganda zurück, organisieren sich gegen Menschenfeindlichkeit und Repression.
In diesem Sinne gilt für uns auch im Jahr 2026 und gerade in Sachsen-Anhalt, dass es kein ruhiges Hinterland für Faschist*innen gibt. Deshalb rufen wir am 25. Januar nicht nur in Schnellroda zum Protest auf (12-15 Uhr), sondern fahren danach auch gemeinsam nach Schkopau (16-17 Uhr), wo wir die Kundgebung des Bündnisses Merseburg für Vielfalt und Zivilcourage supporten!
Also: Kommt am 25. Januar 2026 mit nach Schnellroda und Schkopau!
